Springe zum Inhalt →

Gute Nacht

Fremd bin ich eingezogen,
Fremd zieh‘ ich wieder aus.
Der Mai war mir gewogen
Mit manchem Blumenstrauß.
Das Mädchen sprach von Liebe,
Die Mutter gar von Eh‘ –
Nun ist die Welt so trübe,
Der Weg gehüllt in Schnee.

Ich kann zu meiner Reisen
Nicht wählen mit der Zeit:
Muß selbst den Weg mir weisen
In dieser Dunkelheit.
Es zieht ein Mondenschatten
Als mein Gefährte mit,
Und auf den weißen Matten
Such‘ ich des Wildes Tritt.

Was soll ich länger weilen,
Bis man mich trieb‘ hinaus?
Laß irre Hunde heulen
Vor ihres Herren Haus!
Die Liebe liebt das Wandern, –
Gott hat sie so gemacht –
Von Einem zu dem Andern –
Fein Liebchen, Gute Nacht!

Will dich im Traum nicht stören,
Wär‘ Schad‘ um deine Ruh‘,
Sollst meinen Tritt nicht hören –
Sacht, sacht die Thüre zu!
Ich schreibe nur im Gehen
An’s Thor noch gute Nacht,
Damit du mögest sehen,
Ich hab‘ an dich gedacht.

Wilhelm Müller
(1794-1827)

(…eines der Gedichte, die ich zuerst mit der dazu komponierten Musik kennengelernt habe und das heute beim Lesen ohne diese undenkbar wäre…)

Veröffentlicht in Weblog

3 Kommentare

  1. Ach. Das ist lustig. Das hab ich auch gerade bei mir eingestellt. Aber auch als Abschied von twoday.
    Dann jetzt nur noch im neuen Blog. Link hast Du ja! 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.