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Der gestrige Samstag endete gestern in einem ziemlichen Fiasko. Von der Arbeit kommend, musste ich mich mit dem Rad durch eng aufgestellte Autos einer Autohauspräsentation hangeln, am Arnhold-Bad fuhren irgendwelche Knattermopeds ein „800Minuten-Rennen“, vor der Manufaktur polierten einige ältere Herrschaften ihre Oldtimer – „Fest der Mobilität“ nannte sich das und ist ebenso sinnlos wie ärgerlich. Später am Abend verhagelten mir hunderte Touristen mit ihrem ständigen Konventionsbeifall nach jedem Satz ein hervorragendes Konzert. Eine anschließende Party ließ ich ausfallen, stattdessen cruiste ich in Richtung Neustadt. Ich hatte verdrängt, dass an dem Abend Roland Kaiser am Elbufer ein Konzert gab, die ganze Brücke war voller Schnodderliederenthusiasten. Mit dem Rad kam ich nur mit Dauerklingeln durch und erntete noch fliegende Handtaschenschläge und gesummte Wortfetzen, die jeweils das Wort „Du“, „Sehnsucht“ oder „verloren“ enthielten. Irgendwann fand ich mich dann an dem Brunnen wieder
und ruhte mich dort aus, während die Sachsen auf der Brücke und am Elbufer ihrem liebsten Samstagabendhobby frönten: Feuerwerk gucken. Nirgendwo sonst auf der Welt habe ich ein Volk erlebt, dass so feuerwerkgeil ist wie die Dresdner, im Sommer nahezu böllert es nahezu jedes Wochenende von der Stadt her. Am Brunnen hatte ich nicht lange Ruhe, irgendwelche Freaks hatten sich in der Grünfläche ihr Schlafsacknachtlager gebaut und turnten dort sowohl alkoholisiert als auch nackt herum. Naja, im Gegensatz zu den RolandKaiserFreaks die sympathischere Variante. Auf dem Rückweg stolperte ich dann noch über dieses Ding:
. Tja, was macht man mit ausrangierten Fifa-WM-Bussen ausgeschiedener Achtelfinalteilnehmer? Erstmal in Dresden abstellen. Und die Aufschrift passte perfekt zu diesem vermaledeiten Samstagabend.
Heute verbrachte ich den Tag damit, darüber nachzudenken, ob mir die einfachen Freuden des Lebens (Mopedrennen, Roland Kaiser, buntes Feuerwerk, nackt und stoned am Albertplatz übernachten, Mozartsinfonien zerklatschen) für immer entwichen sind und ich ein vergrämter alter Mann werde. Ja, ich will.

Veröffentlicht in Weblog

2 Kommentare

  1. Au weia. Ich hätte nicht mit Dir tauschen wollen! 😉

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