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Hommage an das Clavichord

Florian Biersak gastierte beim Pianofortefest Meißen

Unsere Technik der Gegenwart ist ja hochentwickelt. Programme wie „Google Earth“ beamen uns sekundenschnell an jeden Ort der Erde, auch die Kommunikation zwischen Menschen, die Tausende Kilometer voneinander entfernt wohnen ist kein Problem mehr. Bei Zeit- und Klangreisen tun sich die neuen Medien allerdings schwer und möglicherweise ist das auch gut so, wenn die Entwicklung dort nicht allzu schnell verläuft. So bleiben uns noch Konzerte wie das am Sonnabend in Meißen zum Pianoforte-Fest erhalten. Im Prälatenhaus aus dem 16. Jahrhundert saß man im Saal familiär beieinander um das Clavichord, dieses wiederum ein Friederici-Nachbau des Jahres 1765. In diese Zeit ging auch die Klangreise, die örtlich zwischen Thüringen, Salzburg und Eisenstadt changierte. In dieser besonderen Konzertatmosphäre war es überdies ein Glücksfall, dass der österreichische Solist Florian Birsak selbst moderierte. Er ist nicht nur Spezialist für die Instrumente der damaligen Zeit, sondern führte sehr prägnant in die Welt des jeweiligen Werkes ein. So erfuhren die Zuhörer manches über die Authentizität von Manuskripten oder über die Weitergabe von Stücken über die „Notenbüchlein“, dessen bekannteste Vertreter die von Anna Magdalena Bach oder Mozarts „Notenbüchlein für Nannerl“ sind. Birsak wählte aus diesen Büchern Stücke aus, die mancher gestandene Pianist „gerne übergeht“, entweder weil es ein anonymer Komponist ist oder möglicherweise, weil auch nicht jeder ein Clavichord besitzt, auf dem diese Werke einfach am besten klingen. Welche extremen Spielnuancen auf diesem Hausinstrument des 18. Jahrhunderts möglich sind, demonstrierte Biersak bereits überzeugend im einleitenden Präludium, Fuge und Allegro B-Dur von Johann Sebastian Bach. Es folgten Mozart zugeschriebene Kompositionen, darunter eine deutsche Erstaufführung eines erst im letzten Jahr wiederentdeckten Werkes: „Allegro und Aria“ aus eben einem dieser Notenbüchlein. In diesen findet sich auch ein „Allegro Assai“-Satz von Anton Cajetan Adlgasser, Mozarts Vorgänger als Hoforganist in Salzburg. Ein Ausflug zu dem von Mozart geschätzten böhmischen Zeitgenossen Georg Anton Benda, der in Thüringen wirkte, offenbarte eine spannende Sonate mit einem rasanten Finale. Nach der Pause ging es fast in die Gefilde des Hammerklaviers, mit ebenfalls unbekannten, aber reizvollen Werken von Michael und Joseph Haydn. Die Sonate G-Dur KV283 von Mozart, die zwischenzeitlich durch äußere Einflüsse leider zur Feuerwerksmusik mutierte, war sicherlich der kompositorische Höhepunkt dieses Abends. Alle musikalischen Wege dieses Abends kreisten um Mozart, und dieser nahm auch gerne Anregungen der „Kollegen“ auf. Alles in allem war dies eine spannende, von Biersak absolut kompetent geführte Hommage an das Clavichord.

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