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Bach im Spiegel der Gegenwart

Matthias Lorenz und sein Projekt „Bach.heute“

In fünf Jahren fünf Cellosuiten von Bach, dazu jede Menge zeitgenössische Solomusik für das Cello, zum Teil als Uraufführung und speziell auf die Bachsuiten bezogen. Dies ist ein ehrgeiziges aber auch höchst spannendes Konzept für eine Konzertreihe: Bach wird umrahmt, kommentiert, beantwortet, in Frage gestellt. Und ebenso bekommen die zeitgenössischen Werke eine „Grundierung“ durch die Nachbarschaft einer Bachsuite. Das Konzertprojekt „Bach.heute“, das sich der Dresdner Cellist Matthias Lorenz über fünf Jahre hinweg vorgenommen hat, geht in seinen zweiten Jahrgang und kann nun außerdem einen CD-Mitschnitt vorweisen. Die These von Matthias Lorenz für die Konzertreihe lautet, dass jede der Suiten eine Art kompositorisches Thema hat. Der Cellist gruppiert um die jeweilige Suite Werke zeitgenössischen Charakters, die zwar eine ganz andere musikalische Sprache sprechen, aber ebenfalls auf ihre Weise dieses Thema verfolgen. Nachdem 2007 der erste Konzertabend mit der ersten Bach-Suite und Werken von Jörg Birkenkötter, Hans Thomalla und Michael Maierhof stattfand, ist nun rechtzeitig vor dem zweiten Konzert der Serie der anspruchsvoll gestaltete CD-Mitschnitt erschienen. Nicht nur sind die klangstarken Interpretationen sowohl der ersten Bach-Suite als auch der zeitgenössischen Werke überzeugend gelungen, der Hörer erhält die Gelegenheit, das Bachsche Werk mit einem modernen Vertreter zu kombinieren und nicht nur das „Thema“ (in diesem Fall „Umfärbung des Gleichen“) nachzuhören, sondern seinen Horizont in Bezug auf die Möglichkeiten dieses Instruments, aber auch die Möglichkeiten heutigen Komponierens zu erweitern. Birkenkötter, Thomalla und auch Maierhof bewegen sich klangfarblich in radikal moderner Ästhetik, die dem Cello ungeahnte Ober- und Untertöne entlockt. Die eher „harte“ Klangebene wird aber durch die transparente Konzeption aller Stücke entschärft; der Hörer wird durch ein klangliches Gebirge geleitet und findet sogar einen Ausgang. Nicht anders stellt sich die Situation bei Bach dar, allein die neue Musik schärft das Bewusstsein für diese Musik enorm. Den nächsten Soloabend der Reihe wird Matthias Lorenz am 29. Mai, 20 Uhr in der Blauen Fabrik geben. Auf dem Programm steht dann die zweite Bach-Suite d-Moll, dazu erklingen Werke von Friedemann Schmidt-Mechau (Uraufführung), Nicolaus A. Huber, Reiko Füting und Tom Johnson. „Anfangen – Aufhören“ ist dann das Thema, um das sich die Werke ranken werden.

Die CD ist erhältlich bei Opus61, Wallstr. 17-19 und unter http://www.matlorenz.de

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