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Mit tiefem Ernst

Dvořák-Requiem erklang zum Dresdner Gedenktag in der Philharmonie

Zum 13. Februar gibt es in Dresden traditionell viele Möglichkeiten des Gedenkens. Im Gottesdienst, in der Stille ist dies möglich und Rituale helfen gegen das Vergessen, lassen die Geschichte noch einmal lebendig werden und uns, die wir zum Teil schon der nächsten oder übernächsten Generation angehören, den Wert erkennen. Dabei kommt der Musik eine unabdingbar wichtige Brückenrolle zu, schafft sie es doch, Unaussprechliches über Zeiten und Befindlichkeiten hinweg zu transportieren. So wissen wir heute auch das „Requiem“ von Antonín Dvořák als für den Konzertsaal entstandenes oratorisches Werk der Spätromantik einzuordnen. Eine innere Lebendigkeit erhält es aber erst durch eine ansprechende Aufführung zu einem passenden Anlass. Dieser war am Sonnabend gegeben; die Dresdner Philharmonie wählte das konzertfüllende Werk zum Gedenktags-Konzert aus. Der tschechische Gastdirigent Jiří Kout war nicht nur Garant für eine authentisch zu nennende Interpretation der Musik seines Landsmannes, Kouts biographische Stationen zwischen Tschechien, Berlin, Düsseldorf, Leipzig und der Schweiz stehen eben auch für den Brückengedanken der Musik, der keine Grenzen kennt. Eine weitere Beziehung zum 13. Februar erhält das Dvořák-Requiem durch den Uraufführungsort Birmingham, war doch das nahe Coventry 70 Jahre später Widmungsort des „War Requiem“ von Benjamin Britten. Die philharmonische Aufführung des Dvořák-Requiems war von einem tiefen Ernst und hohem Anspruch getragen. Da der Anlass der Aufführung eine Beifallsbekundung verbot, sei hier zumindest das uneingeschränkte Lob für die Aufführenden nachgetragen. Vor allem der Philharmonische Chor Brno (Einstudierung Petr Fiala) überzeugte mit einer insgesamt nur famos zu nennenden Leistung. Kleinste Einwürfe des Kyrie oder Luceat Eis erschienen wie Nadelstiche, homophone Sätze waren auf den Punkt musiziert. Der Chor offenbarte eine hohe, differenzierte Klangkultur, die in selbstverständlicher Homogenität nicht nur viele Nuancen aufwies, sondern gleichzeitig die Voraussetzung für kraftvolle Steigerungen war. Diese Chorleistung wurde von Jiří Kout vehement durch ein immer fließendes, federndes Dirigat unterstützt, die Fugen des „Quam Olim Abrahae“ erhielten so Präsenz und Leichtigkeit. Der Introitus faszinierte bereits durch eine hervorragend angelegte Welt der leisen Töne, später faszinierte vor allem der niemals versiegende Grundpuls des ganzen Werkes, der natürlich entwickelt schien und von Kout durch die attacca-Übergänge zu einem unmissverständlichen Ganzen gefügt wurde – nicht das Grauen des Todes wurde in den Vordergrund gestellt, sondern die Betrachtung des Lebens in allen Nachdenklichkeiten, aber auch Freuden. Im Ausdruck erschien Dvořáks Werk daher nur selten gewaltig (dann aber mit unpassend dröhnendem Orgelpedal), die lyrischen Facetten überwogen und zeigten sich in vielen schön ausmusizierten kammermusikalischen Formationen des Orchesters. Luba Organosova, Alexandra Petersamer, Michael König und Rudolf Rosen bildeten ein Solistenquartett mit großen, souveränen Stimmen, allerdings war die Tempoaufnahme und Intonation nicht immer glücklich. Stille folgte der Aufführung und die innere, tröstende Nachwirkung dieser Requiem-Musik gelang in besonderer Weise durch diese exzeptionelle Ausführung aler Mitwirkenden.

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