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recomposed


(Quelle: Universal/DG)

früher wollte ich mal Schumann-Sinfonien umschreiben, weil mir die Instrumentierung nicht gefiel. Viel zu wenig Blech und Schlagzeug… – damals wusste ich noch nicht, dass auch Gustav Mahler Hand an diese Sinfonien gelegt hat. Jetzt wagt sich Matthew Herbert an Gustav Mahler und „recomposed“ ausgerechnet das Adagio der 10. Sinfonie. Ausgerechnet? Ich habe die Platte noch nicht gehört und kann mir nicht vorstellen, wie ein „recomposed“-Mahler überhaupt klingt. Und zwar keines seiner sinfonischen Werke. Wie der Soundcreator Herbert vorgegangen ist, beschreibt ein Artikel auf De:Bug sehr schön. Und trotzdem (und immer noch VOR Hören der Platte) verstehe ich nicht, warum man dass Drama oder Thema, das einer Sinfonie innewohnt, durch recomposing verstärken soll. Der einzig triftige Grund wäre, dass der Komponist dieses Thema nur mangelhaft behandelt hat. Das ist auch der Grund, warum manche Bach-Bearbeitungen scheitern (obwohl sie doch SOO schön auf Kuhglocke/Akkordeon/afrik. Trommeln tbc. klingen) – das Original ist zu stark, zu genial. Selten schaffen es Künstler, etwas Neues aus Bestehendem zu formen – übrigens in witziger Weise gelungen bei der Jahresausstellung der HfbK Dresden (Artikel über die Ausstellung hier), bei der u. a. „10 Fragmente von Werken namhafter Künstler, welche aus Museen und Institutionen entwendet wurden“ von Jonas Lewerk präsentiert wurden: ein Span aus einem Werk von Joseph Boeys etwa, eingezwängt in eine neue glatte Vitrine, ein Krümel, eine Schraube von anderen Installationen und Leinwänden. Diese merkwürdige Klau-Kunst schaffte es bis zum Nachdenken über Kunst selbst, das gelingt nicht oft.

Recomposed-Website: klick

Published in hörendenkenschreiben

4 Comments

  1. Anonymous Anonymous
  2. Vielleicht sollte man statt „recomposed“ lieber „Listeners‘ Digest“ in Anlehnung an Readers‘ Digest nennen.
    Statt das Abenteuer der Einarbeitung in ein Werk zu belassen, wird lieber eine gefällige Kinderversion gebastelt.

    Ich selbst bin da ein vollkommen unlogischer Purist.
    Ich mag Ravel, aber gerade die Instrumentierung der „Bilder einer Ausstellung“ finde ich wie lauwarmes Abwaschwasser, wenn man es trinken wollte.
    Gerade der harte, teilweise ungefällige Satz der Originalversion birgt für mich genau die Spannung, die das Stück für mich lebendig hält. (Deswegen setze ich mich auch immer wieder einmal hin und über die schwierigen Stellen nach, weil es auch ein unheimlicher Genuss ist, den Mussorgski durchzuspielen.)
    Interessanterweise geht es mir auch bei Ravel-Kompositionen, die er selbst in Klavier und Orchesterfassung geschrieben hat ähnlich.
    Rhapsodie Espagnole und die Walzer gefallen wir am Klavier vierhändig viel besser, Auch für Ma mere l’oye trifft das zu.
    La Valse hingegen ist in beiden Versionen großartig, es sind dann eben nur zwei verschiedene Stücke.
    Bei der Orchesterfassung sehe ich förmlich die Kulisse vor mir, während ich bei der Vierhändigklavierfassung zwei Tanzende und ihr Gespräch sehe.
    Mir fielen noch einige Beispiele ein, wo die Stücke für mehrere Instrumente sehr ähnlich sind, Cesar Franck, Violinsonate z.B. Aber das sprengt jetzt schon den Rahmen.

    • das betrifft ja auch fast ein Feld wo es ganze Bücherstapel kluger Worte zu berücksichtigen gilt – die Paraphrase, das Zitat, die Variation, die Instrumentation, die Parodie – das dürfte bei Monteverdi losgehen und bei Schnittke und Berio lange kein Ende finden. Nun fällt mir auf dass ich gerade wieder zwei Komponisten nenne, die sich auch stark mit Mahler beschäftigt haben. Vielleicht ist der Ansatz doch weitläufiger als ich dachte. In pcto Ravel ist natürlich die Farbigkeit ein wesentliches Element, die sich unterschiedlich im reich kolorierten Orchester (Daphnis und Chloe könnte ich mir etwa NIEMALS im Klavierauszug vorstellen) und im ebenso reich virtuos behandelten Klavier niederschlagen. Die Herausforderung für den/die Pianisten ist natürlich ungleich größer – La Valse im Orchester funktioniert ja fast von selbst.

    • ja, Daphnis und Cloe ist eindeutig ein reines Orchesterstück. So wie auch das G-Dur-Klavierkonzert nur als Konzert ausorchestriert ist. Beim d-moll könnte ich mir sogar eine Dreihändigfassung vorstellen:)

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