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Fünfmal Höchstspannung

elole-Klaviertrio konzertierte im Leonhardi-Museum

elole-Konzerte fordern zumeist den ganzen Zuhörer. Man glaubt kaum, dass das Trio erst seit neun Jahren besteht, hat man doch in dieser Zeit so viele Konzerte mit immer neuen, immer spannenden Stücken gehört und konnte so seinen Horizont beständig erweitern – der Lexikadefinition, dass die Gattung Klaviertrio ins 19. Jahrhundert gehört widersprechen die drei Dresdner Musiker mit der vehementen Lebendigkeit ihrer Aufführungen. Im Leonhardi-Museum präsentierten Uta-Maria Lempert (Violine), Matthias Lorenz (Cello) und Stefan Eder (Klavier) nun einen Abend mit Werken von fünf Komponisten – die Landmarken reichen von Wien über Dresden und Berlin bis nach Düsseldorf.

Ganz neue Werke gab es von Erik Janson und Christoph Theiler zu hören, eine kraftvolle Klammer um das ganze Konzert war durch die Werke von Peter Köszeghy und Carsten Hennig geschaffen. Hier war es eine offen hervortretende Emotionalität, die sowohl in den Kompositionen selbst angelegt ist als auch die Wirkung beim Zuhörer beschreibt. Schnell ist man in Köszeghys „Utopia“ über den denkenden Nachvollzug hinaus und jagt den Ausbrüchen, Stauungen und rhythmischen Verschiebungen hinterher. Der Ausnahmezustand, in dem der Zuhörer hinterlassen wird, mutet einem musikalischen Schock an, dem sich nach und nach die gehörten Ereignisse wieder zuordnen lassen. Das ist Arbeit für Kopf und Herz, macht aber Spaß, wenn man feststellt, wie sensibel und klassisch zugleich dieses wütende Stück am Ende doch ist.

Michael Flade war doppelt präsent: Sein „Spiel: seltsam attraktiv“ erklang in zwei Versionen. Exakte Notation und interpretatorische Freiheit mischten sich hier wirklich auf einer spielerischen Ebene, die Leichtigkeit erzeugte und vor allem die einzelnen Elemente frei schwingen ließ. Bei Erik Jansons „Bhagavat Gita-Fantasie“ war man allerdings ohne jegliche Ausführung über diese altindische Schrift recht alleingelassen mit der Musik, auch Jansons Textauswahl war nicht veröffentlicht. So teilte sich zwar die Faszination und der schöpferische Umgang des Komponisten mit der Schrift mit, aber genauere Beziehungen oder Deutungen waren nicht erfassbar. Losgelöst vom Hintergrund hörte man ein Werk, das von sorgfältiger struktureller Arbeit bestimmt war, was sich etwa in verschieden verschachtelten Zeitebenen niederschlug.

Christoph Theilers „Terminal“ hatte die umgekehrte Problematik: der Komponist beschrieb im Programmheft eine äußerst spannende konzeptuelle Ausgangssituation (das Leben, ein Warten), formte aber in diesem kreativen Wartezustand lediglich eine Art Suite aus verschiedenen bagatellartigen Stücken, die erst zum Schluss hin stringenter wirkte. Carsten Hennigs „desire III“ blieb es dann vorbehalten, das finale Ausrufezeichen zu setzen: mit rotierenden Metallscheiben und virtuoser Instrumentalbehandlung wurde die Welt des Geldes und der Macht und die musikalische Avantgarde frech in einen Topf geworfen – es wurde ein tolles Stück draus. Und wer genau diese künstlerischen Überraschungen liebt, sollte sich auch das nächste Konzert vormerken: am 28. November spielt das Trio im Kulturrathaus.

Published in Rezensionen

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