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CD-Tipp Januar: Mahler Herreweghe

In loser Form, mindestens jedoch einmal im Monat, stelle ich hier ein paar Neuerscheinungen vor, die mich bewegen. Das heißt, es wird sowohl Jubelstürme als auch Ärgerliches geben, ich hoffe allerdings, dass die positiven Anlässe überwiegen. Allerdings verliere ich nicht viele Worte – wer mich kennt, weiß um meinen Geschmack und meine Ansichten. Jedoch hoffe ich, dass auch aus den kurzen Zeilen vielleicht der eine oder andere einen Hörtipp mitnimmt oder sogar kommentieren mag.

Die CD des Monats Januar steht für mich bereits fest:

Philippe Herreweghe hat nicht nur ein neues Label gegründet (Gardiner und das LSO, auch der Bayrische Rundfunk haben es vorgemacht) – er widmet sich auch meines Wissens erstmalig in einer Produktion einer Mahlersinfonie (vom „Lied von der Erde“ und den Liedern gibt es bereits Aufnahmen). Nun ist gerade diese Sinfonie sehr häufig auf dem Plattenmarkt vertreten, vermutlich weil sie auch in ihrer kantablen Faktur sehr zugänglich ist. Herreweghe aber schockiert in positiver Weise, weil er das Stück bis in die letzte Achtelnote ausmalt und durchinterpretiert. Und zwar in einer höchst frühlingshaft-pointillistischen Weise, die das Werk im Gesamt-OEuvre als unverhohlenen Lichtblick, als Sonnenaufriß zeigt. So musikantisch und tänzerisch leicht, so zwingend natürlich habe ich Mahler selten gehört. Dazu kommt Herreweghes intensiver Zugang zum Originalklang, ohne dogmatisches „Müssen“ anzusetzen. Heraus kommt ein Orchesterklang von lauter völlig kammermusikalisch aufspielenden Solisten, die aber dennoch gemeinsam eine Linie gehen. Einziges Manko sind vielleicht die wenigen doch etwas zu weich angegangenen forte-Passagen und mit Rosemary Joshua als Solistin kann ich mich (noch) nicht hundertprozentig anfreunden. Auf jeden Fall, auch für Mahler-Neulinge höchst empfehlenswert.

Weitere neue CDs im Januar:
* Hilary Hahn spielt Tschaikowsky & Higdon (DGG) – siehe auch mein Preview
* Nils Mönkemeyer widmet sich barocker Musik auf „Folia“ (Sony)
* das Collegium 1704, in Dresden wohlbekannt, produzierte auf einer Doppel-CD oratorische Werken von Jan Dismas Zelenka (accent)

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