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CD-Tipp März: Claude Le Jeune

Diesmal gibt es ein wenig Sparflamme, da ich kaum zum Hören komme, vielleicht schiebe ich in diesen Artikel auch noch einige Neuerscheinungen nach, denn derzeit stapeln sich die CDs, als ob man im beginnenden Frühjahr nur am Player hocken würde…
Da ohnehin viel zu tun ist, freut man sich über eine CD, mit der man mal richtig abschalten kann und die überdies noch ein faszinierendes Hörerlebnis bildet, deswegen ist meine CD des Monats auch diese hier:

Le Jeune (übrigens einer der vielen Komponisten, deren Wikipedia-Artikel recht armselig ausfällt) ist ein spannender Vertreter der franko-flämischen Schule, seine 1564 veröffentlichten Psalmen Davids zählen zu seinen ersten geistlichen Werken. Das französische Ensemble Ludus Modalis verdient sich hier in puncto Klarheit und Klangschönheit höchste Meriten. (RAMÉE)

Weitere Neuerscheinungen:
Italienische Madrigale von Schütz, interpretiert vom Dresdner Kammerchor – Ja, Eigenwerbung. Aber eine Schütz-Gesamtaufnahme, die der Dresdner Kammerchor nun bis 2017 unternimmt, ist sensationell genug. Und die Madrigale ebenso. Soviel zur Befangenheit. Selbst hören -> Urteil bilden 🙂 (CARUS)
Henri Vieuxtemps – Violinkonzerte – eine überraschende Edition mit allen Violinkonzerten von Vieuxtemps hat das belgische Orchester von Liège (Ltg. Patrick Davin) herausgegeben. Absolut spannend dabei: die Solopartien übernehmen Meisterschüler von Augustin Dumay an der Chapelle Musicale Reine Elisabeth – 7 neue Talente spielen 7 nahezu vergessene Perlen der Konzertliteratur. Toll. (FUGA LIBERA)
– neu erschienen auch zwei Produktionen, die ich live erleben durfte: die Missa Solemnis mit Thielemann und das Stabat Mater von Pergolesi mit Netrebko. Was in dem einen Fall zur absolut intensiven, auch ungewöhnlich persönlichen Hingabe an den Wiener Meister geriet (und damit unbedingt hörenswert ist, auch wenn man mit dem Ungetüm Missa Solemnis wohl nie „fertig“ wird), ist im anderen Fall eine furchtbare Marketingente. Ob man Netrebko nach diesem Flop noch als Künstlerin ernstnehmen wird, muss man sehen. Aber wenn man von alter Musik keine Ahnung hat, sollte man auch die Finger davon lassen. Und erst recht nicht für diesen Schmarrn die Frauenkirche mißbrauchen.
– Hier noch zwei Nachzügler: Daniel Hope kann anpacken, was er will – es gelingt vorzüglich (wer ihn nicht mehr hören mag, soll ihn wenigstens lesen…), so auch seine kunstvoll zusammengestellte CD „The Romantiv Violinist“. Von Gelingen kann bei Francesco Tristanos DG-Debüt „BachCage“ kaum die Rede sein, denn beide Komponisten werden hier bis auf die Unterhose ausgezogen und ihrer Ausdrucksqualitäten beraubt. Warum Tristano Artikulation am Klavier völlig ignoriert und die DG so einen Nintendo-Bach auch noch bewirbt, ist mir schleierhaft. Cage dürfte hoffentlich im nächsten Jahr zum 100. Geburtstag hochklassige Interpreten anziehen, falls nicht, hören wir Steffen Schleiermacher. Der macht vor, wie man sich ernsthaft und mit künstlerischer Persönlichkeit einem Komponisten musikalisch nähern kann.

Published in Rezensionen

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