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Festlich gestimmt

Musikhochschul-Matinee mit Beethoven, Liszt, Yun und Mozart

Am Himmelfahrtstag lud die Musikhochschule in die Semperoper Dresden ein – die Matineekonzerte am Vormittag mit dem Hochschulsinfonieorchester haben schon eine lange Tradition. Der Termin parallel zum Kirchentag und im Rahmen der Musikfestspiele verführte Rektor Ekkehard Klemm zu einer besonderen Programmkonzeption, die weniger eine Quadratur des Kreises vollführte als vielmehr stimmig auf die Grundgedanken der umgebenden Festivitäten musikalisch einging.

Kurzum: der Gedanke der Freiheit war wie eine Klammer um das Konzert gelegt, umfasste Beethovens Leonoren-Ouvertüre ebenso wie Isang Yuns Kammersinfonie und auch Mozarts musikalische Freiheit in der knapp gehaltenen „Krönungsmesse“. Dazu wurde dem Jubilar Liszt gehuldigt, asiatische Solisten und Dirigenten vorgestellt und Jörg Faßmann (Violine), Michael Schütze (Vokalkorrepetition) und Henry Philipp (Klarinette) bekamen Honorarprofessuren verliehen.

Solchermaßen festlich gestimmt startete das Orchester auch mit der selbstbewusst und klangstark musizierten dritten „Leonoren-Ouvertüre“ (Leitung Cheng Jie Zhang). Anschließend bewunderte man die Koreanerin Seul Ah Youn auf ihrem durchweg sicheren, manchmal freilich noch etwas zu korrektem Weg durch das Klavierkonzert A-Dur von Franz Liszt. Auch Soo-Yeoul Choi am Dirigentenpult setzte mehr auf geradliniges Temperament – hier sei hervorzuheben, dass der junge Dirigent schon mehrfach zeitgenössische europäische Werke in Südkorea zur Aufführung brachte, der lebendige Kulturaustausch in alle Richtungen war also hier besonders spürbar.

Nach der Pause übernahm Ekkehard Klemm die Leitung in Isang Yuns umfangreicher „Kammersinfonie II – Den Opfern der Freiheit“, die der politisch selbst verfolgte Komponist angesichts der Entwicklungen in Europa 1989 schrieb. Eindringlich, fremdartig und sehr persönlich geriet die Begegnung mit Yuns klar gesetzten Klangwelten – virtuos und zuverlässig auf den Punkt interpretierte das hier stark solistisch eingesetzte Orchester die keinesfalls leichte Partitur.

Die „Krönungsmesse“ am Schluss wirkte dann wie eine freundlich-frische Bestätigung des Lebens und Klemm hatte keinerlei Mühe, diesen Affekt der Singakademie Dresdens zu entlocken, die mitsamt dem Orchester und einem vorzüglichen Solistenquartett der Hochschule (Sulki Chung, Henriette Gödde, Benjamin Glaubitz und Gunyong Na) für einen positiven und in den Tempi auch ordentlich flotten Ausklang sorgte.

Published in Rezensionen

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