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Auf der Stuhlkante

Junges Sinfonieorchester und Hochschulorchester musizieren Mozart und Mahler unter Vladimir Jurowski

Das neue Jahr ist noch jung, die Studenten der Musikhochschule haben sich nach der Weihnachtszeit gerade wieder an den Hochschulalltag gewöhnt, da stand auch schon ein besonders ambitioniertes Projekt auf dem Programm: ein Konzert mit Werken von Gustav Mahler und Wolfgang Amadeus Mozart galt es vorzubereiten. Gleichzeitig war es das Jahreskonzert des Jungen Sinfonieorchesters des Landesgymnasiums für Musik. Der Rektor der Musikhochschule, Ekkehard Klemm, teilte erfreut dem Publikum im ausverkauften Konzertsaal der Hochschule mit, dass für dieses Projekt mit Vladimir Jurowski ein wahrer Pultstar gewonnen werden konnte.

Jurowski ist nicht nur Principal Conductor beim London Philharmonic Orchestra und ständiger Gast der Sächsischen Staatskapelle Dresden, er ist auch Alumnus der Dresdner Hochschule und hat daher das Projekt gerne übernommen. Dabei war das Konzert allerdings weit entfernt von einer Star-Show, im Gegenteil: die Musik stand im Vordergrund und damit auch das gemeinsame Erarbeiten der Partituren hin zu einem sehr professionellen, überzeugenden klanglichen Ergebnis.

Das begann mit dem Orchester des Landesgymnasiums und dem Klavierkonzert C-Dur KV 467 von Wolfgang Amadeus Mozart. Der erst 18jährige Pianist Ngoc Doc Vu (Klasse Prof. Zenzipér) bot eine differenzierte, sichere Gestaltung und formte treffend die Charakteristik der drei Sätze. Noch dazu entschied er sich die umfangreichen Kadenzen von Alfred Schnittke zu verwenden, die dem Stück eine starke Intensivierung verliehen. Dirigent Vladimir Jurowski konnte sich auf fabelhaft agierende junge Musiker verlassen, trennte räumlich Bläser und Streicher und hatte keinerlei Mühe, Schwung und Deutlichkeit in den Ecksätzen und innige Verklärung im zweiten Satz zu erzeugen.

Nach der Pause war die terminlich leicht verspätete Ehrung des Jubilars Gustav Mahler mit einer spannenden Dramaturgie versehen: zunächst musizierte das Hochschulorchester die beiden Wunderhornlieder „Das irdische Leben“ und „Das himmlische Leben“ – beide Lieder sollten nach Mahlers Plänen in die 4. Sinfonie aufgenommen werden, doch dann entschied sich der Komponist nur für das Vokalfinale mit dem „himmlischen Leben“. Die Sopranistinnen Rebekka Gruber und Elisabeth Auerbach gestalteten die beiden keinesfalls leichten Wunderhornlieder mit passender Klanggebung und guter Ausformung von Text und Charakter.

Das lyrische Moment dieser Lieder übertrug Vladimir Jurowski dann nahtlos in die Interpretation der 4. Sinfonie, in der das Hochschulsinfonieorchester ausnahmslos in allen Gruppen derartig farbig und flexibel agierte, als ob Mahler das täglich Brot wäre. Jurowski verstand es, den Musikern auch kleinste agogische Hinweise zu geben und gleichzeitig Spannung und Entwicklung zu halten – die jungen Musiker dankten diesem Engagement mit hoher Konzentration auf der Stuhlkante. Die Sopranistin Jihye Son führte im Solo des 4. Satzes die Sinfonie dann zu einem geschmeidig-wärmenden Abschluss. Es war eine erfolgreiche Kooperation, die die starken Potenziale der beiden Institute demonstrierte, aber hier vor allem ein einzigartiges Musikerlebnis schuf.

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