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Energetisches Zentrum

„elole“-Klaviertrio spielte im SGNM-Konzert im Kulturrathaus

Gleich zu Beginn des neuen Jahres machen zwei in Dresden sehr umtriebige Institutionen innerhalb der zeitgenössischen Musik auf sich aufmerksam und verbanden sich gleich in klingender Weise: als Veranstalter sorgt sich die „Sächsische Gesellschaft für Neue Musik“ besonders um die aktuelle Musik lebender Komponisten, gleiches hat sich das Klaviertrio „elole“ auf die Fahnen geschrieben. So war das Konzert am Sonntagabend im Kulturrathaus recht gut besucht, zieht man die Tatsache in Betracht, dass kein gespieltes Werk älter als vierzig Jahre war.

Uta-Maria Lempert (Violine), Matthias Lorenz (Cello) und Stefan Eder (Klavier) gruppierten diesmal zwei Dresdner Komponisten um gleich zwei Werke der in Bonn lebenden Komponistin Charlotte Seither. So ergab sich eine Dramaturgie, die ein energetisches Zentrum aufwies und möglicherweise Prolog und Epilog dazugesellte. Diese These war auch gar nicht so abwegig, verglich man etwa die musikalischen Handschriften: Manfred Weiss‘ 2. Klaviertrio aus dem Jahr 1973 fusst auf dem Boden der Tradition. Mit klar erkennbaren Formen und Strukturen zu arbeiten, ist ein Markenzeichen des 1935 geborenen Komponisten – spannend waren in den beiden Sätzen die jeweiligen Sprengungen des Materials hin zu einer starken Emotionalität zu beobachten. Auf der anderen Seite, am Ende des Konzertes, erklang „al-gabr – Pfade und Wesen“, ein Klaviertrio der 1973 geborenen Thuon Burtevitz, erst im letzten Jahr von „elole“ uraufgeführt.

Hier hat derjenige Mühe zu folgen, der in den Repetitionen und Überlagerungen scheinbar nichtiger Gestalten Traditionelles entdecken will. Burtevitz erfand eine sehr eigene Musiksprache: ähnlich einer Ballwurfmaschine auf dem Tennisplatz wurden die Töne herausgeschleudert, standen zunächst beziehungslos als Ereignisse neben- und übereinander, wurden dann zu streng geformter Gestalt zueinander gesetzt, zusätzlich waren die Instrumente durch Verstimmung und Verfremdung in eine Art Schräglage versetzt. Ein einziger stehender Akkord ließ das Stück nach mehreren Sätzen regelrecht wegbrechen, statt zu beenden.

Charlotte Seithers Beiträge zur Gattung Klaviertrio standen da mit Recht genau in der Mitte, waren sie doch packende Beispiele für einen kritischen Umgang mit dem Genre, den Instrumenten, dem gefundenen Tonmaterial – sie verleugnen aber auch nie die Basis im langen Zeitband der Musikgeschichte. Sowohl in „Champlève“ als auch in „Equal ways of difference“, das elole zu seinem 10jährigen Jubiläum im Oktober 2011 uraufführte, überraschte eine sich im Verlauf der Stücke offenbarende Ordnung, die in einem ebenfalls in beiden Stücken zu findenden, sanften Abgesang reflektiert erschien. Was „elole“ da in diesen vier Stücken für Klangwelten entblätterte, war in der Zusammenstellung wie in der Interpretation sehr überzeugend und wieder einmal ein guter Beweis, wie die intensive Aufmerksamkeit für die gegenwärtig entstehende Kunst ein packendes Konzerterlebnis erzeugen kann – dafür dankte auch das Publikum mit starkem Applaus.

Published in Rezensionen

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