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Neues aus der Rubrik „Hui und Pfui“

Noch ist es hier nicht geschehen, dass ich für den alltäglichen Sexismus in unserer Umwelt hier eine Rubrik aufmachen muss – da war die Muyserin schneller als ich, aber die Operette ist ja schon mehrfach negativ aufgefallen in der Hinsicht. Der neueste Weggucker, der nicht mal der +65-Zielgruppe einen müden Juchzer abringen wird, ist dieses nette Plakat. Da begibt sich die Frau schon optisch in die wunderbare Horizontallage der braven eigenen Rollenerfüllung, der Mann tut, was ein Mann tun muss und das Ganze rollt natürlich wieder im 3/4-Takt.
Schenkelklopfer? Nee, traurig.

Published in Dresden

25 Comments

  1. „Sexistische Kackscheiße“? Danke für das Aufgreifen des Themas; Du bist mir zuvorgekommen. Ich wurde von einem Aufkleber, der quer über das Plakat gepflastert ist, darauf gestoßen (zu besichtigen an der Litfaßsäule Bischofsplatz, genauer gesagt Bischofsweg/Ecke Eschenstraße), der das Plakat als „sexistische Kackscheiße“ denunziert. Ob das ernst gemeint ist (was ich befürchte) oder subversiv, darüber grüble ich seit Tagen.

    Persönlich würde ich nicht so weit gehen und kann das Plakat auch nciht als Aufreger empfinden. Schließlich bewirbt es ein Musical, das an der Operette gegeben wird, also mithin ein genre und ein Spielort, die für leichte Kost stehen, welche oft genug ihren Humor aus der Frivolität bezieht.

    Zweitens handelt es sich bei Kiss Me, Kate um eine Adaption von Shakespeares Der Widerspenstigen Zähmung. In Zeiten der political correctness wird sich sicher auch jemand finden, der den Gedanken, hier werde eine Frau manipuliert und somit um ihre Selbstbestimmung gebracht, unerträglich findet.

    Drittens soll es, unter anderem in diesem Internet, Bevölkerungsgruppen geben, die Klapse auf den Hintern durchaus als Bereicherung ihres Liebesspiels und Lebensstils erachten. Selbst ohne ein Lanze für sadomasochistische Praktiken zu brechen, muss die Frage gestattet sein, was sexistischer ist: dieses Plakat mit seiner harmlosen Andeutung, der überdies durch die übertriebene Mimik des Mannes ja sofort ironische Brechung widerfährt, oder die Tausenden Plakatmotive, in denen photogeshopppte, also im Übermaß sexualisierte Frauenkörper dazu eingesetzt werden, irgendwelche Produkte zu verkaufen, ohne dass sie mit der Frau in irgendeinem Bezug stünden.

    Und zu guter Letzt: die Zeiten, in denen den Künsten nur erzieherische, weltverbessernde, idealisierende Funktionen zugestanden wurden, sind zum Glück vorbei. Wo, wenn nicht in der Operette, darf es derb, frivol und subversiv zugehen?

    Ich würde mich sehr freuen, wenn es weitere Kommentare gäbe, da das Thema mich, wie eingangs gesagt, selbst schon beschäftigt hat.

    Beste Grüße!

  2. HP HP

    Kackscheiße? Hallo Alexander,

    ich kann Dich beruhigen: in dem Stück gibt es neben 3/4-Takt auch 4/4, 2/2 und sogar gewagten 6/8-Takt, was Cole Porter halt grad so einfiel. Was das Plakat leider nicht besser macht. Aber das Stück hat nun mal diese zentrale, berühmte Shakespeare-Szene als Theater auf dem Theater, in der eine Widerspenstige gezähmt werden soll. Alles in allem ist die Inszenierung und das Stück vielleicht besser als die Werbung dafür. Schmeiß Deine Vorurteile über den Haufen und komm Dirs ansehen!

    • Ich nehme das natürlich gerne zum Anlass, mich intensiver damit zu beschäftigen. Mein erster – zugegeben polemischer – Eindruck bezieht sich auch wirklich auf den Bildeindruck, die sehr guten Erläuterungen von der Muyserin stehen eben nicht unter dem Plakat und ich unterstelle mal, dass vielen Passanten weder Porter noch Shakespeare ein Begriff ist. So, dann hat erstmal der Meister selbst das Wort – bzw. Kate: „And place your hands below your husband’s foot: In token of which duty, if he please, My hand is ready; may it do him ease.“ – Herrliche Verse, die an den 3. Teil der auf Milton zurückzuführenden „Schöpfung“ von Haydn erinnern. Ohne jetzt weiter meinen Standpunkt verfechten zu wollen (naja, das Plakat bleibt schlecht, auch wenn es nicht sexistisch ist…) – hier noch zwei zum Thema gehörige Quellen: hier eine wissenschaftliche Arbeit und ein Blog-Beitrag zum Thema. Das Blog wiederum widmet sich komplett diesem Musical – interessant also, wenn man sich näher mit dem Stück auseinandersetzen will! Und nun muss ichs nur noch sehen und hören…

  3. KmK KmK

    Mit Augenzwinkern – bitte! Habe mit Amusement diese Diskussion verfolgt. Ich bin die Verfasserin des KmK-Blogs, auf den hier schon Bezug genommen wurde. Danke auch. 🙂

    Ich möchte mich gern ein bissl zu eurer Diskussion über dieses Plakat äußern. Aus dem hier verlinkten Blogeintrag meiner Wenigkeit geht ein wesentlicher Punkt hervor, der in eurer Diskussion mMn missachtet wurde: „Kiss Me, Kate“ ist KEINE Umsetzung von Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung“ (das zweifellos ein massiv misogynes Stück ist – wenn auch komplett ohne körperliche Männergewalt, die kommt in der Shakespeare-Komödie de facto nicht vor!).
    „Kiss Me, Kate“ handelt viel mehr von einer Theatergruppe, die „Der Widerspenstigen Zähmung“ aufführt (das Shakespeare-Stück ist also „Stück im Stück“), dabei aber große Schwierigkeiten hat, weil die Hauptdarstellerin und der Hauptdarsteller eine Art Love-Hate-Relationship miteinander haben. In der Szene, auf die sich das Plakat bezieht, dreht Lilli durch und beginnt Fred mitten auf der Bühne, während der Shakespeare-Premiere, zu misshandeln: Sie tritt ihn, boxt ihn, ohrfeigt ihn, und was der Regie sonst noch so einfällt. Irgendwann ist es ihm eine Watschn zu viel und -> siehe Plakat. Im Gesamtkontext der Szene gesehen geschieht also nicht unmotivierte brutale Männergewalt, sondern die beiden bleiben einander gleichermaßen nichts schuldig, und die Körperlichkeiten gehen von IHR aus.

    Außerdem sind beide keine Identifikationsfiguren, weder er noch sie. Dem Publikum wird eben NICHT vermittelt: „Hach, was für ein toller Held, der weiß, wie man mit einem aufmüpfigen Mädl umzugehen hat!“ Viel mehr erscheinen beide Figuren in diesem Moment absolut lächerlich. Das hier ist eine Komödie, eine Parodie – kein Georg Büchner. Und ich finde, das Plakat fängt das gut ein, nämlich durch die Gesichtsausdrücke der beiden. Der Blick von dem Hauptdarsteller ist doch echt göttlich, bitte – und sie liegt da komplett entspannt und lächelt fotogen in die Kamera. 🙂

    Selbst wenn man das Hintergrundwissen in Bezug auf das Stück nicht hat, müsste man das Plakat auf Grund dieser Gesichtsausdrücke doch eigentlich richtigerweise nicht in die „Männergewalt“- sondern eher in eine Art „kinky trash“-Schublade stecken. Und DIE wird dem Stück wesentlich mehr gerecht. 😉

    Ich habe ehrlich erleichtert losgelacht, als ich dieses Plakat letztens auf Facebook gesehen habe! Ich werde nämlich extra aus Wien anreisen, um mir diese Produktion anzuschauen. Und das Plakat deutet doch darauf hin, dass einem an der Staatsoperette eine typisch deutsche, bierernste Regietheater-Vermurksung erspart bleibt. Eine solche habe ich nämlich mal in Heilbronn erlebt. Da wurde Lilli tatsächlich nicht übers Knie gelegt – sondern sattdessen gleich vergewaltigt. Aber weil das unter dem Deckmantel des „zum Nachdenken anregenden“ bitterernsten Regietheaters verkauft wurde, war es natürlich politisch korrekt. *augenroll*
    Dieses Plakat lässt hoffen, dass der Regisseur der Dresdner „Kate“ das nötige Augenzwinkern mitbringt, das das Stück braucht – es ist nämlich im Ganzen ein Balanceakt zwischen Kunst und Trash, und genau diese Ambivalenz macht es in meinen Augen reizvoll.

    Im Dreivierteltakt, meine Lieben, ist der Walzer „Wunderbar“, ansonsten ist das Stück musikalisch ziemlich vielfältig, denn es ist nicht von einem, wie einige anscheinend meinen, drittklassigen Vorstadt-Operettenkomponisten geschrieben worden, sondern von Cole Porter, der der Welt nicht wenige ziemlich geniale Musiknummern (und wunderbar zweideutige Songtexte!) hinterlassen hat. Trotzdem möchte ich denjenigen, die in diesem Plakat eine subversive Bagatellisierung patriarchal motivierter häuslicher Gewalt sehen, dringend davon abraten, in die Vorstellung zu gehen. Ihr hättet keinen Spaß am Stück, das doch beim Publikum einen gewissen „Willen zur Unterhaltung“ voraussetzt. Es wird sicher auch bei euch irgendwo in der Nähe Jelinek gespielt. 🙂

    • KmK KmK

      Nachtrag Ach ja, in den Staaten gab’s mal folgendes Werbeplakat für eine KmK-Produktion:
      http://www.caroleecarmello.com/pics/kate2.jpg
      Jetzt Frage: Hätte die Staatsoper Dresden für ihr Werbeplakat ebenso die Rollen vertauscht wie auf oben zitiertem Pic, hätte da irgendjemand „sexistische Kackscheiße“ drüber geklebt? Ich unterstelle nämlich, dass das nicht der Fall gewesen wäre. Und das wäre dann ein klassisches Schulbeispiel für die Doppelmoral, wie man sie bei pflichtschuldigst Linken gerne antrifft. :-p

    • Trefflich! Treffen? Hallo, KmK,

      welch trefflicher Umstand, dass Du auf Alexanders Post gestoßen bist! Alles, was ich von Dir Sachkundiges lese, bestätigt mich darin, dass das Plakat nicht sexistisch ist. Ich gebe zu, ich wusste wenig über die Hintergründe von KmK und DWZ, aber wollte meine Gedanken wiedergeben als die, die am Plakat vorbei geht und sich eben ihren Teil denkt, ohne Wikipedia etc. zu einem Faktencheck zu bemühen.

      Alexander, KmK: Wäre doch eine coole Idee, wenn man sich die Dresdner Inszenierung gemeinsam besehen würde. Ich hätte Lust – und Ihr?

      Beste Grüße!
      Kathrin.

    • Kommentar-URL Alexander, wie eruiert man auf Deinem Blog die URL eines Kommentars?

    • Kommentar-URL Falls es interessiert:
      In „comment.toplevel“ und „comment.reply“ (zu erreichen über „Layout -> Skins) oberhalb von „further comments“ bzw. „/div“ folgenden Code eingeben:

      <br><a href=“<% comment.url %>“><smaller>Kommentar-URL</smaller></a></div>

      Dann wird ein Link mit dem Titel Kommentar-URL angezeigt, der sich mit Rechtsklick kopieren lässt.
      (Es wäre übrigens auch möglich, unter Antwort-Kommentaren einen antworten-Link einzufügen, damit Konversationen nicht auseinandergerissen werden. Einfach die entsprechenden Code-Schnipsel aus toplevel in reply kopieren.)

  4. Danke!! Liebe „KmK“, danke für diese Informationen! So gesehen lerne ich gerne dazu und das Plakat bekommt nun (s)eine Geschichte dazu, die mir natürlich auch Appetit auf das Stück bereitet – das 3/4-Vorurteil nehme ich natürlich gerne zurück (mit ebensolchem Augenzwinkern), denn sonst müßte ich ja die halbe Musikgeschichte torpedieren, inklusive aller wunderbaren Scherzi und Menuette. Quark, natürlich. Aber nun sind wir doch alle ein bißchen schlauer und gespannter. Und großartige Idee des gemeinsamen Besuches – wäre dabei!

    • Wie man die URL eruiert? keine Ahnung, bin technischer Dau und tippe hier nur Wörter rein 😉

    • HP HP

      65+ Willkommen in der Zielgruppe, lieber Alexander. Sagt Bescheid, wenn Ihr geballt in Leuben aufschlagt!

  5. KmK KmK

    Das wär cool… …, so ein Treffen! 🙂 Also, wir gehen in die Vorstellung am 9. Mai. Kommen erst am späteren NM in Dresden an.

    Aber ich sags euch gleich, es ist WIRKLICH kein Büchner! 😀 Nicht, dass mir dann Klagen kommen, weil euch das Stück zu trashig ist, gell!! Außerdem ist es mMn extremst davon abhängig, wie die Inszenierung ist und wie die Chemie zwischen den Hauptdarstellern funktioniert… ich hab schon Aufführungen gesehen, wo ich mich nachher selber gefragt hab, was mir an dem Stück eigentlich gefällt. 😉

    • Mayday Also, am 9. könnte ich es mir auch einrichten.

  6. 9. Mai im Dienst der Wissenschaft Alex, darf ich Pressekarten für dich und deine Begleiterin bestellen? Auf die Rezension wäre ich gespannt.

  7. KmK KmK

    Uhrzeit? Ihr Lieben, wann treffen wir uns wo?
    Einfach 20 Minuten vor Vorstellungsbeginn im Foyer?

    • Erkennungszeichen Nelke im Knopfloch?

    • KmK KmK

      Nelke?? *lach* Wir sind froh, wenn wir in dieses Theater finden, ob wir da davor noch eine Nelke auftreiben…?? Aber ihr könnt gern eine nehmen und wir reden euch dann an. 😉

    • willkommen liebe blogger, ich arbeite an der staatsoperette und würde an diesem treffen ja nur zu gerne teilnehmen… soll ich nun wirklich auf eine nelke achten? und ihr werdet schon herfinden, die straßenbahnlinien 2 und 6 halten direkt vor der tür und die haltestelle heißt sogar (in klammern) staatsoperette – da kann doch nix schiefgehen. allerdings – rund 30 minuten fahrzeit vom stadtzentrum aus… also bis dann, gute reise, es grüßt jürgen hartmann

    • KmK KmK

      Tja, irgendwer muss sich opfern… … und sich eine Nelke ins Knopfloch stecken. 😀 Wir werden damit beschäftigt sein, uns in eurer schönen Stadt zurechtzufinden, aber ich quatsch jeden an, der so eine Nelke trägt. 😉

      Danke für die Wegbeschreibung! 🙂

    • Kate-Gipfeltreffen Lieber Herr Hartmann, das ist ja eine Überraschung – schließlich sind wir ja Bloggernachbarn der ersten Stunde hier bei twoday, ich lese auch oft bei Ihnen. Also ich freue mich sehr darauf und werde mal schauen, wo ich Nelken finde…

    • HP HP

      Nelken vom 1. Mai sollten noch rote Nelken übrig sein…

      oh sorry, falsches Jahrhundert.

  8. KmK KmK

    Video 🙂 Jö, schon gesehen?
    http://www.dresdeneins.tv/kultur/Kiss_me_Kate-1545.html

    Bitte besonders die BRUTALE MÄNNERGEWALT zu beachten – die ist nicht wirklich überhalb der Wahrnehmungsgrenze, oder? 😀

    Insg. sicher eine relativ konventionelle Regie, aber bei „Kiss Me, Kate“ ist das jedenfalls besser als zu ambitioniert-modernistisch. Ich habe bloß ein bisschen die Befürchtung, dass man die beiden Handlungsebenen nicht klar genug voneinander abgegrenzt hat, die Ironisierung am Schluss (kam so schon in Millionen Produktionen vor) ist jedenfalls zu schwach. Aber vielleicht hat man sich ja ansonsten viele coole Gags einfallen lassen, dann ist es auf jeden Fall eine gute Inszenierung.

    Ich freue mich jedenfalls schon! Bis bald! 🙂

  9. KmK KmK

    Dresden… Servus noch einmal,

    hättet ihr ein paar Tipps, was man in Dresden an einem Tag unbedingt anschauen sollte? Wir haben leider nicht viel Zeit – nur den Mittwochabend, an dem ja die Vorstellung ist, und dann den Donnerstag, wo irgendwann nach neun Uhr abends unser Nachtzug nach Wien zurück geht…

    lg
    KmK

    • berauschendes dresden liebe wiener besucher – auf jeden fall die frauenkirche angucken und auf die brühlsche terrasse gehen, blick auf die elbe genießen. ich empfehle außerdem: spaziergang durch das villenviertel blasewitz, dann über das blaue wunder nach loschwitz (café wippler: eierschecke essen!), auch dort an die elbe setzen und ausspannen. von dort aus standseilbahn oder schwebebahn fahren und oben weiter flanieren. dann mit der tram in die neustadt, bei molkerei pfund aussteigen und von dort aus das quartier erkunden! anderntags auf museumstour gehen, die madonna plus canaletto und das nagelneue militärhistorische museum. und das ist alles nur ein bruchteil…

    • KmK KmK

      DANKE … für die Tipps! 🙂
      Wir haben ja leider wirklich nur einen einzigen Tag Zeit… 🙁 Mal sehen, was wir unterkriegen! Dieser Zwinger soll besonders schön sein…

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