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Scharfe Gegensätze

Debussy, Chausson und Strauss im 8. Zykluskonzert der Philharmonie

Still wurde es im Rund des Kulturpalastes zu Beginn des 8. Zyklus-Konzertes der Dresdner Philharmonie. Auch als die Musik spielte, blieb es lange still, und dennoch ging es um ein Drama, an dessen Ende der Satz steht „lautlos hat sie uns verlassen“ – Die Ruhe, mit der die Charaktere und Szenen entwickelt werden, und die lyrische Qualität der Musik ist ein Hauptmerkmal von Claude Debussys Oper „Pélleas et Mélisande“. Darauf muss man sich als Hörer erst einmal einlassen, entdeckt dann aber nach und nach die Schönheit, die ihre eigene Zeit benötigt.

Von der Dresdner Philharmonie wurde die von Marius Constant arrangierte Symphonie aus der Oper zu einem ungewöhnlichen Klangbild jenseits von Pomp und Extrovertiertheit geformt. Der französische, lange Zeit in Wien wirkende Dirigent Bertrand de Billy hatte hier die richtigen Ideen, um eine schöne Piano-Kultur des Orchesters zu zeigen.

Ähnlich verhielt es sich bei Ernest Chaussons Liederzyklus „Poème de l’amour et de la mer“, der eine interessante symmetrische Anlage aufwies und auch – oft an Wagner orientiert – die Gefühlslagen offener darlegte. Dass dieser Zyklus zu einem musikalischen Juwel geriet, lag an der hervorragenden Solistin, der Sopranistin Véronique Gens, die sich in dieser farbig schimmernden Musik ihrer Heimat vollkommen zu Hause zeigte und deren in schönstem Legato vorgetragenem Leid und Liebeskummer man sofort nachvollzog, sich gar infizierte an der Szene, die am Ende in erschütternder Bitternis keine Lösung fand.

Der dramaturgische Schnitt der Pause geriet hart, hier sogar recht unversöhnlich, denn man konnte und wollte Richard Strauss‘ Tondichtung „Also sprach Zarathustra“ nicht wirklich mit der entstandenen Gefühlswelt des ersten Teils in Beziehung setzen. Doch Kontraste beleben den Geist und die Musiker hatten hier plötzlich ganz andere Aufgaben vor sich. Der Eindruck indes blieb zwiespältig:

Bertrand de Billy ritt derartig schonungslos durch die Partitur, dass sich der Sinn und Zweck dieser Interpretation nicht mehr mitteilte, die Intensität zugunsten der Geschwindigkeit nachließ. An einigen Stellen mochte die flotte Lesart dieses Lobliedes auf Nietzsche und den intellektuellen Menschen angehen, doch die harmonisch komplexen Themen verloren ihre Kontur, der Walzer samt dem feinen Violin-Solo von Heike Janicke stürzte vorbei. Tapfer hielten die Philharmoniker mit und zeigten damit ihre Klasse und Flexibilität, fanden sogar am Ende noch zu einem empfundenen und – nicht selbstverständlich – sauber intonierten Schluss.

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