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Durch und durch romantisch

Absolventenkonzert mit der Erzgebirgischen Philharmonie Aue

Die meisten Prüfungen für die Musikstudenten an der Hochschule kommen ohne großen Aufwand aus. Der hervorragende Konzertsaal ist vorhanden, dort steht auch ein Flügel zur Begleitung der Instrumentalisten. Die Dirigierstudenten allerdings benötigen einige Instrumente mehr. Rektor Ekkehard Klemm, selbst Dirigierprofessor am Institut, setzt sich seit Jahren erfolgreich dafür ein, dass die Studenten zur praktischen Arbeit ein Orchester zur Verfügung bekommen. Dass mit der Kappung des Landesbühnenorchesters eine dieser Möglichkeiten in der Region künftig entfällt, ist höchst bedauerlich. Ein weiteres Orchester, mit dem die Hochschule kooperiert ist die Erzgebirgische Philharmonie Aue – dieses Ensemble integrieren sogar die studentischen Dirigate als Sinfoniekonzerte in ihr Jahresprogramm.

Für die Musiker bedeutet dies Mut zur Offenheit und immer ein außergewöhnliches Projekt, auch diesmal standen eine Instrumentalsolistin und insgesamt sieben studentische (!) Dirigenten in den Proben und drei Konzerten zur Verfügung. Das durch und durch romantische Programm hätte in der musikgeschichtlichen Verbindung nicht stimmiger sein können: Auf Johannes Brahms folgten Werke von Clara und Robert Schumann, vielfältige Bande ließ sich hier knüpfen.

Im Dresdner Konzert leitete Sung-Joon Kwon die „Akademische Festouvertüre“ mit guter Organisation und das munter aufspielende Orchester hatte keinerlei Probleme, den Charakter umzusetzen. Lediglich für ein neues Kontrafagott sollten einmal gesammelt werden – der Klang wirkte doch arg verfremdet, wenn das Instrument zum Einsatz kam.

Ho Jeong Lee spielte ihren Solopart im Klavierkonzert Opus 7 von Clara Schumann in den Ecksätzen manchmal etwas zu auftrumpfend, legte zuviel Dramatik in die Noten, wo doch mehr Leichtigkeit angebracht gewesen wäre. Dabei gelang ihr aber der zweite Satz, der sich wie ein Albumblatt in dieses Konzert schleicht, gemeinsam mit dem Solo-Cello wunderbar. Pedro Andrade am Pult folgte der Pianistin gut, hätte aber noch mehr Ruhe in sein Dirigat bringen können.

Eine sehr anspruchsvolle Aufgabe hatte ebenfalls André Brant Ribeiro mit Robert Schumanns 3. Sinfonie, der „Rheinischen“ zu bewältigen. Das fünfsätzige Werk gelang mit guter Charakterisierung und Tempoanlage – den Intentionen von Ribeiro folgten die Musiker immer sehr wachsam. Insgesamt hätte man sich bei allen Dirigenten – beispielsweise in der Betreuung der zahllosen Streicherlinien in der Sinfonie – mehr Mut zur individuellen Gestaltung und Freiheit gewünscht, denn die Fähigkeiten dazu waren sicher vorhanden. Doch nötigt man den Studenten höchsten Respekt ab, den „Ernstfall“ vor Publikum hier mit sehr guter, konzentrierter Leistung absolviert zu haben.

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