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Ach, Ringlein…

Meine Espressokanne ist kaputt. Mal wieder der kleine Dichtungsring der nach geschätzt 300000 Tassen seine Arbeit verweigert (wohl nicht ganz dicht, der Kleine). Also kaufe ich einen Dichtungsring. Und der Blogeintrag wäre zu Ende.
Hier aber fing das Abenteuer an. Ich schicke voraus, dass ich natürlich den Dichtungsring bei einschlägigen Internetanbietern hätte bestellen können, was ich aber für einen 50ct-Artikel doof finde. Und Karstadt, wo ich weiß, dass es den Dichtungsring auch gibt, war mir zu konzernig. Also den Einzelhandel in der Neustadt beglücken mit meinem Anliegen.

Der Laden, wo ich bisher immer meinen Dichtungsring kaufte und wo ich mich auch hervorragend beraten fühlte („hamwa“ oder „hamwagradnichda“) hat leider dicht gemacht. Im Fenster ein Schild…bla, bieten wir unsere Waren auch dort und dort mit an. Also zu Laden 2, der sich auf der Bautzner Str. befindet. Dessen möglicherweise baustellenbedingt komische Öffnungszeiten („Di bis Do 13.52 bis 14.21, sowie jeweils kurz vor Sonnenuntergang außer an katholisch-orthodoxen Feiertagen unterhalb der Woche mit „y“ als drittem Buchstaben“) ließen mich nur kurz verharren, denn in der Nähe meiner Wohnung gab es noch Laden 3, der mit Kaffee- und Teespezialitäten aufwartet. Und: er hatte offen. Wollte aber für selbigen Dichtungsring 3 („drei“, kein Tippfehler) Euro bekommen. Bekam er nicht.

Der Tag neigte sich (die Sonnenuntergangsöffnungszeit in Laden 2 war bestimmt auch schon verstrichen), da fiel mir Laden 4 im Hechtviertel ein, ein schöner Kaffeemaschinenladen, den ich nur von einer Homepage kannte. Also schnell losgeradelt. Ich hätte mir die Hausnummer merken sollen, ich bog zu spät in die Straße ein und sah natürlich den Wald vor lauter Bäumen nicht. Schließlich landete ich doch vor der Auslage des Ladens und betrachtete in Ermangelung eines Entrées („9-18 Uhr“ – es war 19.57, was erwarte ich auch…) die schönen Espressokannen im Fenster, deren Dichtungsringe in diesem Laden vermutlich auf Watte in kleinen Schubkästchen gebettet werden

In mir reifte der Plan, den ich am folgenden Tag auch knallhart umsetzte. Ich schaffte es glatt, innerhalb der eng bemessenen Öffnungszeit von Laden 4 dort zu erscheinen, betrat den Laden, saugte den Duft von eben erst verdampftem und verputztem Espresso ein und wurde (der Dichtungsring war bereits mein Winkelement in der EIngangstür) freundlichst empfangen. Und wirklich: die Verkäuferin holte ein Kästchen mit vielen kleinen Schubladen, prüfte mit Kennerblick Umfang und Beschaffenheit meines Trümmerrings und verkaufte mir für 1€ einen neuen Dichtungsring.

Ende. … … Nicht. Denn natürlich ist es eine hohe Kunst, anhand eines ausgefransten Gummitorsos die ursprüngliche Größe exakt auf den Millimeter zu bestimmen. Es kam was kommen musste. Ich nutzte den Anlass, um die Espressokanne komplett zu reinigen, stellte Kaffee und Milch bereit, setzte die Teile der Kanne zusammen und legte den neuen Dichtungsring an seinen dafür vorgesehenen Platz. Er war zu klein. Was mich nicht entmutigte. Dichtungsringplatzierungserfahren wie ich bin kenne ich alle Tricks und hielt den Ring unter warmes Wasser um größtmögliche gummiale Ausdehnung zu erhalten. Das Ergebnis beim nächsten Einlegevorgang war frappierend, um es frei nach Eichendorff auszudrücken: Mein Ringlein sprang entzwei.

Wohl gelang es mir, noch einen obligaten Kaffee zu bereiten, allein die Blubberbläschen, die durch die scharfkantige Lücke des mich schmählich im Stich lassenden Ringes zwischen Ober- und Unterkanne in meine Richtung geschleudert wurden, verdrossen mich. Ein neuerlicher Besuch im Eldorado der Dichtungsringe wird anstehen.

(Fortsetzung folgt)

Finale: Im neuen Lieblingskaffeeladen habe ich nunmehr den Ringetausch vorgenommen. Und ohne eine Tüte duftenden Aromaticos konnte ich natürlich auch nicht gehen. Und jetzt gibts erstmal Kaffee 🙂 – danke an essebielle.

Published in Weblog

4 Comments

  1. thg thg

    vermutlich wärest du wohl mit einer neuen Espressokanne einfacher gekommen 😉

  2. Es ist wohl richtig, dass es an der Effektivität meiner Alltagsgestaltung etwas hapert. Aber dann gäbe es auch keine Geschichten…

  3. sven sven

    selbsthilfegruppe? Heute traf ich im Phoenix Coffeeroasters einen Mensch der genau dasselbe Problem hatte. Auch er war schon vergeblich durch die Neustadt geirrt.

    Nachdem ich auf dem Smartphone leider das Blog nicht auf die Schnelle gefunden habe, hatte Lars aber die Idee mit dem Hecht.

    Hoffen wir mal er findet das “ Eldorado der Dichtungsringe“…

    • Espressokannendichtungsringselbsthilfegruppe Gute Idee! Da kann man sich dann mal im lockeren Stuhlkreis über Kautschuksorten, Preßverfahren, Bezugsquellen und ähnliches mehr austauschen 🙂 – Der Laden hat eigentlich eine klare Adresse, allerdings keine großartige Deko, die einen im Vorbeiradeln direkt drauf hinweisen würde. Das war mein Problem.

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