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In Schwung gespielt

Das „Kammerorchester ohne Dirigenten“ im Klotzscher Sommerkonzert

Wenn sich Dresden gerne „Musikstadt“ nennt, so sollte man dabei immer die Summe aller Musiker im Blick haben und nicht nur die Leuchttürme professionellen Musikschaffens. Dabei dürften einige tausend Menschen zusammenkommen, die in Orchestern, Chören, Ensembles und Bands ihrer Leidenschaft nachgehen und so in allen Vierteln der Stadt für ein lebendiges Musikleben sorgen. Nicht wenige dieser Ensembles können schon auf eine große Tradition zurückblicken und zeigen sich kontinuierlich im Konzertkalender. So wurde das „Kammerorchester ohne Dirigenten“ bereits 1967 gegründet.

Was sich da im Ensemblenamen als Besonderheit offenbart, ist für die Musiker sicherlich schon Alltag geworden und das sommerliche Konzert in der Christuskirche Klotzsche zeigte nicht nur, dass diese ungewöhnliche Musizierform funktioniert, sie hält auch zum aufmerksamen Miteinander an. Wer in diesem Ensemble mitspielt, kann sich nicht verstecken, die Ohren sind in alle Richtungen offen. Zwar finden sich hinter einigen Pulten Mitglieder mit durchaus musikalischen Berufen, doch viele gehen auch einer „gewöhnlichen“ Tätigkeit nach. Das gut besuchte Konzert wusste zu erfreuen, da man vier Werke ausgesucht hatte, die das Ensemble nicht überforderten, aber dennoch gute Vorbereitung und Fertigkeiten benötigten.

Georg Friedrich Händels Ouvertüre zur Oper „Alcina“ war zu Beginn noch ein bißchen mit Aufregung behaftet, trotzdem gab man sich in den barocken Wassern stilsicher. Gleich zwei Solokonzerte standen auf dem Programm, mit dem ersten konnten die Zuhörer gleich einen recht unbekannten Dresdner Komponisten kennenlernen: Joseph Schubert war ein Zeitgenosse von Carl Maria von Weber und Bratschist in der Hofkapelle – sein Bratschenkonzert C-Dur schrieb er wohl zum eigenen Gebrauch. Urs Stiehler gestaltete den Solopart dieses eingängigen, dem Zeitgeschmack verpflichteten Werkes aus und unterstützte gleich danach wieder seine Kollegen bei der Ausführung von Ottorino Respighis Suite „Alte Arien und Tänze für die Laute“ – ein schönes Beispiel der Bewahrung der frühen italienischen Barockmusik im neuen Streichorchestergewand.

Hier hatte sich das etwa fünfundzwanzigköpfige Ensemble richtig in Schwung gespielt – es war viel Verständnis für Klangfarben und den Rhythmus der alten Tänze vorhanden. Dennoch lohnte natürlich immer ein Blick zum Konzertmeister Olaf Spies, der sich aber das ganze Konzert über freundlich einordnete – nur zum Finale zeigte er sich selbst als Solist in Wolfgang Amadeus Mozarts Violinkonzert G-Dur, hier in reiner Streicherbesetzung aufgeführt. Es war das sicherlich anspruchsvollste Werk des Konzertes, und es wurde achtbar gemeistert – vielleicht finden sich ja auch beim nächsten Mal noch einige Bläser, die die Ambitionen des Kammerorchesters unterstützen.

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