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Kammermusik mit vielen inspirativen Glücksmomenten

21. Moritzburg Festival beendet

Mit den Klängen des Streichoktetts Es-Dur von Felix Mendelssohn Bartholdy geht traditionelle jedes Jahr das Moritzburg Festival zu Ende – so war es auch am Sonntag der Fall. Das Werk passt nicht nur, weil es viele Musiker noch einmal zum Abschluss vereint, sondern auch in seinem inspirativen, lebensbejahenden Charakter das Profil des Festivals quasi in Noten widerspiegelt. So abwechslungsreich sich die vier Sätze des Oktetts entfalten, so vielfältig gab sich auch das gesamte letzte Wochenende musikalisch.

Vor dem Sonnabendkonzert in der Kirche Moritzburg stellte sich die französische Pianistin Lise de la Salle solistisch vor. Für ihre gute halbe Stunde Musik hatte sie ein großes romantisches Klavierwerk ausgewählt, das es in sich hatte: Johannes Brahms „Händel-Variationen“ zelebrieren den Schulterschluss zwischen barockem Vorbild und romantisch weiträumiger Ausarbeitung. Die 25 Variationen samt vollgriffiger Fuge fordern Pianisten einiges ab – Lise de la Salle beeindruckte hier mit charaktervollem und virtuosem Zugriff und schaffte es mit flotten Tempi und dabei jederzeit deutlicher Phrasierung, einen großen Spannungsbogen über das gesamte Werk zu legen. Als Kontrast und Entspannung durfte das Publikum als Zugabe dann einen wunderbar empfunden musizierten Choral von Johann Sebastian Bach genießen.

Im anschließenden Konzert standen drei außergewöhnliche Stücke aus Klassik, Romantik und dem 20. Jahrhundert auf dem Programm: Joseph Haydns „Zigeunertrio“ G-Dur ist wohl einer der frühesten Beweise dafür, wie man innerhalb strenger Formen individuelles Kolorit gewinnen kann. Dass schon im 19. Jahrhundert kräftig in gemischten Besetzungen experimentiert wurde, zeigte Robert Schumanns „Andante und Variationen“ für 2 Celli, 2 Klaviere und Horn – das Stück ist eine vor allem akustisch diffizile Geschichte, die aber von Guy Johnston, Harriet Krijgh, Oliver Triendl, Antti Siirala und Peter Müseler in einem durchweg lyrischen Klanggewand souverän dargeboten wurde.

Höhepunkt des Abends war das Klavierquintett von Dmitri Schostakowitsch – neben der aufmerksamen Lise de la Salle am Klavier waren es die Streicher Baiba Skride, Kai Vogler, Lars Anders Tomter und Guy Johnston, die Schostakowitschs Werk hier nahezu mit einer gemeinsamen Stimme erklingen ließen – in aller Zerrissenheit und Härte, aber auch mit viel Gefühl für Gesangliches.

Auch das vom Publikum heftig bejubelte Abschlusskonzert am Sonntagmorgen begann mit Schostakowitsch – die Stücke für Streichoktett des 18jährigen Komponisten sind jedoch in ihrer rohen Wildheit von anderem Kaliber und wurden mitreißend interpretiert. Noch einmal kam der Composer in Residence David Philip Hefti zu Wort, diesmal mit seinem 2. Klaviertrio „Lichter Hall“ aus dem Jahr 2012, das episodenhaft in einem einzigen Satz verschiedene Ausdruckswelten zwischen ausgestellten Flächen und zögerlicher Entwicklung vereinte. Mit „Navarra“ von Pablo de Sarasate gelang gleich darauf der denkbar größte Kontrast: es ist eine echte „Pièce“ für 2 Violinen und Klavier, die mit viel Charme und lockerer Virtuosität von Mira Wang, Baiba Skride und Oliver Triendl dargeboten wurde.

Der künstlerische Leiter Jan Vogler zeigte sich mit dem diesjährigen, 21. Festival sehr zufrieden und benannte eine in diesem Jahr musikalisch sehr starke Festival Akademie und die Uraufführung des Auftragswerkes von Hefti als Höhepunkte – mit letzterer wurde auch thematisch ein Bogen zur Moritzburger Geschichte und zum Gedenken an den Beginn des 1. Weltkriegs gezogen. Zudem seien diesmal durch die Werkauswahl besonders herausragender oder außergewöhnlicher Stücke inspirative Glücksmomente unter den Künstlern entstanden, die auch das Publikum intensiv wahrnahm.“ Zu den 14 Konzerten, zwei Porträtkonzerten und einem Komponistengespräch kamen insgesamt 7000 Zuhörer, damit war das Festival zu 98% ausgelastet. 2015 wird das Moritzburg Festival vom 15. bis 30. August stattfinden.
(25.8.)

Published in Rezensionen

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