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Näää…?

Im Nachgang zu einer kleinen Twitter-Diskussion gestern abend muss ich doch kurz mal bloggend die Gedanken ordnen. Man lebt ja nun in einer Stadt, in der seit Wochen die Pegida-Demonstrationen stattfinden. Stets gibt es Gegendemonstrationen, es ist auch schon viel geschrieben und diskutiert worden. Eine wirkliche Lösung scheint nicht anzustehen, zumal es auch verständlicherweise unterschiedliche Reaktionen gibt: Auf Beschimpfungen und Verunglimpfungen (Volksverräter, Lügenpresse) kann mit Beschimpfung und Verunglimpfung (Nazis, Idioten) reagiert werden oder auch gar mit Ignoranz, viele analysieren nun gründlich und versuchen das in den Brunnen gefallene Kind wieder herauszuziehen. Gegen Verschwörungen helfen nur Fakten, eine verquere Gesinnung beseitigt man sicher nicht per Handstreich. Es bilden sich nun jede Woche Demonstrationsfronten – bei der letzten Pegida-Demo stand ein einsamer Wagen, der zum Dialog einlud, mit wenig Resonanz. Die Gegendemonstrationen sind zahlenmäßig unterlegen, nicht jeder bekommt in Dresden den Hintern hoch, aber offenbar fehlt es auch an klaren Ansagen und Bekenntnissen.

Letzte Woche habe ich mir von Dresden-Nazifrei anhören müssen, dass die Demo vom „Neujahrsputz“ eben nicht #nopegida sei (Besitzansprüche auf einen Hashtag?), das sei ja lediglich das Bündnis von „Dresden für alle“, man würde sich eigene Aktionen für den 12.1. aufsparen. In einem weiteren Kommentar, die Quelle finde ich gerade nicht, las ich noch, der Neujahrsputz, sei ja eher von den „braven Lichterkettenbürgern“ durchgeführt. Demo ist offenbar nicht gleich Demo, lerne ich.

Die Staatskanzlei verkündete diese Woche, man wolle nun am Samstag demonstrieren, nicht „gegen“ etwas, sondern für „Weltoffenheit, Menschlichkeit und Dialog„, aufgerufen haben dazu Land und Stadt – in persona Tillich und Orosz (CDU). Gleich meldeten sich da einige zu Wort und bedauerten, der Aufruf wäre ein Alleingang von Orosz ohne Mitteilung an Stadtrat und Bündnisse.

Ein klares #nopegida fehlt in der Ankündigung der Veranstaltung am Samstag, mehr noch: am Mittwoch sprach der CDU-Politiker Frank Kupfer in die Sachsenspiegel-Kameras, die 18000 Demonstranten der Pegida seien am Samstag ausdrücklich eingeladen. Daraufhin haben sich in der gestrigen kleinen Twitterdiskussion einige abgewendet und meinten, damit sei die Teilnahme hinfällig. In dem Sachsenspiegel-Beitrag gibt es unterschiedliche Haltungen der Parteien zu Organisation und Teilnehmern von Pegida. Während man sich uneins ist, ob man Gespräch sucht, die Menschen anhört oder sich abwendend die „Wutbürger“ verteufelt, zeigt der Beitrag auch, dass die Organisatoren der Pegida sicher nicht am Samstag zu den so betitelten „Volksverrätern“ gehen werden, sondern sich bereits in die offenen Arme der AfD geworfen haben. (hier komplett).

So schreien sie denn alle „Nää, wenn der x kommt, geh ich da nicht hin“, jeder pocht auf seine eigene Haltung und guckt sorgfältig, wer da neben ihm demonstriert. Die wöchentliche Neuorganisation der Bürgerschaft zu den Demos ist schwierig, nicht jeder hat jeden Montagabend Zeit – die Großdemo am Samstag könnte ein Zeichen sein, dass einmal alle Bündnisse, Parteien, Bürger zusammenfinden, andere Städte haben es ja schon vorgemacht.

Heute titelt die DNN übrigens „Dresden steht morgen gegen Pegida gemeinsam auf dem Neumarkt“ – nicht als Zitat, sondern als Überschrift. Fernab von Parteigeningel meine ich, der Anlass der Demo ist wichtig. Genau hinhören und hinhören sollte man trotzdem, vor allem sollte der kleinste gemeinsame Nenner in den Grundwerten der Demokratie liegen. Wer diese mit Füßen tritt, sollte auch nicht eingeladen werden.

Published in Dresden

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