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Beethoven-Krimi und flotter Mozart

Eröffnungskonzert des Moritzburg Festivals mit dem Akademie-Orchester

Traditionell öffnet das Moritzburg Festival nicht vor den Toren Dresdens seine Pforten, sondern mitten in der Stadt – mit einem Orchesterkonzert in der VW-Manufaktur. Hier stellt sich die Moritzburg Festival Akademie vor, ein Ensemble aus rund 40 jungen Musikern, die eigens jedes Jahr ausgewählt werden, um mit den renommierten Solisten des Festivals und einem Dirigenten Orchester- und Kammermusikliteratur zu erarbeiten. Insofern erreichte das Festival schon zu Beginn einen ersten Abschluss, denn diesem Konzert ging bereits eine intensive Probenwoche voraus.

Der diesjährige Schirmherr, Bundestagspräsident Norbert Lammert, Innenminister und Kuratoriumsvorsitzender Thomas de Maizière und der musikalische Leiter Jan Vogler freuten sich auf den neuen Festival-Jahrgang, in dem bis zum 30. August über ein Dutzend Konzerte stattfinden werden. Bei der Eröffnung zeigte sich also möglicherweise die kommende Generation großer Kammermusiksolisten, und was diese in einem ad hoc zusammengestellten Orchester unter den nicht einfachen Bedingungen des Manufakturraumes leisteten, war beachtlich.

Eine schöne Homogenität war gleich in der einleitenden Suite „Le Tombeau de Couperin“ von Maurice Ravel festzustellen, in der sich delikat vor allem die zahlreichen Linien entfalteten, die Ravel der Oboe geschenkt hat. In diesem Jahr ist der in Wien lebende Fagottist und Dirigent Milan Turković mit der Leitung des Orchesters betraut, er sorgte für einen lebendigen Fluss des Werkes und zahlreiche Nuancen dynamischer Art traten zu Tage, die den über dem Boden schwebenden Charakter des Werkes intensivierten.

Zum Höhepunkt des Abends geriet das Solokonzert mit der französischen Pianistin Lise de la Salle. Sie ist erneut zu Gast beim Festival und wird in der kommenden Woche auch in Kammermusikwerken am Klavier mitwirken. Im Eröffnungskonzert widmete sie sich dem 4. Klavierkonzert G-Dur von Ludwig van Beethoven. Sie sorgte dafür, dass in allen drei Sätzen Höchstspannung auf der Bühne wie im Publikum herrschte, denn die Klarheit ihrer Artikulation gepaart mit Leidenschaft und einem in den Ecksätzen toll geführten metrischen Puls machte das Konzert fast zu einem Krimi. Jede einzelne Phrase wurde da zum Ereignis, de la Salle gestaltete klug und verdeutlichte harmonische und dynamische Entwicklungen besonders plastisch. Stark wirkte im 2. Satz der Dialog mit dem in schroffem Kontrast hereinfahrenden Orchester, und die Kadenz des 1. Satzes gelang Lise de la Salle überzeugend und in selbstbewusster, erdiger Manier. Trotz der wohl aus technischen Gründen ungewöhnlichen Platzierung des Flügels zwischen Celli und Bratschen, die dazu führte, dass Turković nur den Rücken der Pianistin sah, gelang die Zwiesprache mit dem Orchester sehr gut, ein Zeichen also, dass alle Musiker permanent in höchster Aufmerksamkeit agierten.

Die letzte, die so genannte „Jupiter“-Sinfonie C-Dur, KV 551von Wolfgang Amadeus Mozart beschloss den Abend – Milan Turković setzte dabei auf flüssige Tempi, die im zweiten und vierten Satz zwar dazu führten, dass viele Dinge zusammengefasst erschienen und manche Feinheiten und Flexibilitäten gerade im Andante Cantabile erhielten so weniger Raum. Die Akademie setzte diese Intentionen mühelos um, besonders das Finale schlug trotz rasant auszuführender Figuren nie in Hektik um – da war großes Können und Lust an der gemeinsamen Sache zu beobachten. Davon werden wir in den kommenden zwei Wochen in Moritzburg sicher noch mehr erleben.
(17.8.2015)

Published in Rezensionen

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