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Chopins Cellowelten

Kammerkonzert der Dresdner Philharmonie mit Sol Gabetta

Für Sol Gabetta war es ein reichhaltiges musikalisches Wochenende in Dresden: Zwischen den beiden Sinfoniekonzerten am vergangenen Wochenende, bei denen die argentinisch-französische Cellistin, Artist in Residence der Saison bei der Dresdner Philharmonie, konzertierte, gab sie am Sonntagvormittag noch ein Kammerkonzert im Hygiene-Museum. Und letzteres war nicht einfach nur ein schnell hingezauberter Konzertvormittag. Gabetta beschäftigt sich schon seit mehreren Jahren mit der Cello-Musik von und um Frédéric Chopin. Mit ihrem Duopartner, dem Pianisten Bertrand Chamayou, ist so eine CD-Aufnahme entstanden und die beiden haben auch an den Wirkungsstätten des Komponisten und seines Freundes Auguste Franchomme konzertiert.

Zu Beginn gesellte sich noch die philharmonische Solo-Flötistin Mareike Thrun in Carl Maria von Webers Trio g-Moll hinzu und gab der an sich ungleichen Dreierkonstellation die spannende Bläserfarbe hinzu. Dank Webers recht konventioneller Architektur gaben sich die drei Musiker die trotz der Molltonart kaum schwerlastenden Motive behende weiter und diese Aufführung bezog ihren Charakter vor allem daraus, dass die Leichtfüßigkeit der Komposition im aufmerksamen Spiel Intensität gewann und dennoch solistische Farben wunderbar hervortreten durften.

Frédéric Chopins Cellosonate, obschon mit dem Klavier eine gängige Duobesetzung, wird merkwürdigerweise auch heute sehr selten gespielt – gibt es da etwa Vorbehalte vor dem normalerweise an und mit Tasten komponierenden Meister? Sol Gabetta trat mit Esprit und Können für das Werk ein – so leicht wie Weber erschließt es sich nicht und auch die Ausdruckswelt in der gleichen Grundtonart g-Moll ist schon fast ein anderer Planet. Immer wieder war in den vier Sätzen erstaunlich zu beobachten, dass hier Disparates nebeneinander bestehen durfte, wie etwa das völlig verträumte Largo neben der virtuos ausklingenden Tarantella.

Gabetta und Chamayou interpretierten dies in famoser, kundiger, fast blind vertrauender Partnerschaft und während Gabettas Phrasierung ein ums andere Mal begeisterte, gleich ob es eine Steigerung, Zurücknahme oder ein lyrisches Singen war, so konnte man diesen ausgefüllten Ausdrucksraum nur bedingt bei Chamayou wahrnehmen. Am ehesten noch gelang ihm dies bei dem langen Klaviervorspiel zum „Grand Duo Concertant“, das Chopin und Franchomme gemeinsam entwarfen. In der Opernparaphrase nach Meyerbeers Oper „Robert le Diable“ zählt das Melodienpasticcio und der Virtuosensport für den Salon. Gabetta und Chamayou warfen sich mit Freude in dieses offenherzige Stück, in dem tiefe Seelenwelten einem sinnlichen Musikantentum wichen. Den großen Jubel des Publikums beantworteten sie mit einem weiteren Chopin-Kleinod, einer Klavieretüde bearbeitet von Alexander Glasunow.

Published in Rezensionen

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