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In warmer, dunkler Stimmung

Wolfgang Amadeus Mozarts Requiem in der Christuskirche Strehlen

Traditionell finden im November, am Ende des Kirchenjahres mit seinen Gedenktagen, vielerorts Aufführungen mit ernster Musik statt, und die oft vertonte lateinische Totenmesse ist besonders dazu geeignet, sich in Wort und Musik mit dieser Zeit auseinanderzusetzen. Wolfgang Amadeus Mozarts berühmtes Requiem d-Moll nimmt sicher eine Sonderstellung ein, denn bekanntlich konnte der Komponist das Werk nicht vollenden – in der Fassung von Franz Xaver Süßmayr wird es heute am häufigsten aufgeführt. So auch in der Dresdner Christuskirche am vergangenen Sonnabend.

Kantor Burkhard Rüger versah das Konzert mit einem sinnfälligen Prae- und einem Postludium. Ein instrumentales „Quintetto“ in d-Moll erzeugte in gleicher Tonart eine atmosphärische Einstimmung auf das Kommende. Die hier bearbeitete Fuge aus dem „Wohltemperierten Klavier“ wies auf Mozarts Beschäftigung mit Bach in seinen späten Jahren hin, obwohl die Urheberschaft dieses Werkes nicht ganz geklärt ist. Das kleine Ensemble musizierte dies auf historischem Instrumentarium sehr charaktervoll, auch die Bläserstimmen verschränkten sich in der Fuge mit Anmut. Im Eingangschor des Requiems selbst war sogleich der dunkle, warme Klang der beiden Kantoreien Strehlen und Gruna-Seidnitz auffällig, ebenso wie Rügers klare, ruhige Führung der Stimmen. Und obwohl sicherlich zum Kanon eines Weltkulturgutes gehörend, darf das Werk nicht unterschätzt werden, erst genaue Zeichnung der Aussage trägt die Spannung. Burkhard Rüger setzte auf Durchsichtigkeit und leitete die Chöre motivierend, aber auch fordernd. Flüssige Tempi bestimmten die Interpretation, die Grenze des Machbaren wurde aber nie überschritten, und die zahlreichen Zuhörer erfreuten sich besonders an der deutlichen Deklamation.

Ein kräftig-endgültiges „Dies Irae“ gehörte hier ebenso dazu wie die saubere Phrasierung im „Rex Tremendae“. Das „Lacrimosa“ geriet in einem nie versiegenden Puls als bewegender Höhepunkt der Aufführung, bevor die beiden „Quam olim Abrahae“-Fugen lichter und ebenso sorgfältig gestaltet waren. Ein wenig wackelig in der Intonation war lediglich der Einstieg in das „Sanctus“ und auch im Instrumentalensemble war in den Schlussteilen an wenigen Stellen nicht mehr die klare Intonation des Beginns vorhanden. In die empfindsame Art des Musizierens fügte sich das Solistenquartett mit Barbara Christina Steude, Maria Tosenko, Sebastian Reim und Cornelius Uhle gut ein, da alle vier eine eher schlichte, dem Text folgende Gestaltung bevorzugten. Besonders das im Ensemble gesungene „Benedictus“ war in einem nicht zu langsam gewählten Tempo sehr gelungen. Dem Requiem folgte mit Mozarts kurz vor dem Requiem entstandener Motette „Ave Verum Corpus“ ein Gebet als trostvoller Abschluss einer eindrucksvollen Kirchenmusikstunde.

Published in Rezensionen

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