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An der Schwelle

Grenzerfahrungen mit dem elole-Trio und Hornist Daniel Castello

Sich Grenzen in der Kunst zu widmen, ist von innen heraus betrachtet keinesfalls etwas Besonderes, denn selten entsteht Inspiration aus dem gewohnten, gewöhnlichen Raum heraus, eher an der Schwelle zu dem, was man noch nicht kennt, noch nicht erforscht hat. Genau auf dieser Schwelle bewegte sich das Dresdner elole-Klaviertrio am Donnerstagabend im Piano-Salon an der Frauenkirche. Eine instrumentale Grenze wurde mit der Einbeziehung des Horns (als Gast: Daniel Costello, Solohornist der Anhaltischen Philharmonie Dessau) in das Triospiel gezogen und gleichzeitig mit der Benutzung der möglichen Kombinationen mit den anderen Instrumenten wieder erweitert.

Vier Triostücke standen so auf dem Programm (ein Hornquartett wäre noch das Sahnehäubchen gewesen), die schon allein deswegen in Beziehung zueinander zu setzen waren, weil jeder der Komponisten für das Dreierspiel unterschiedliche Ideen anbot. Christian Wolffs „In Between Pieces“ (1963) verharrt im prozessualen Zustandekommen von Musik und bietet dem Interpreten situative Entscheidungen an. Der Zuhörer tappt dabei im ungefähren Zustand des „es könnte auch anders klingen“, und der Zugang zum Stück erscheint schwer, wenn man Spannung, Inhalte, gar Emotionen sucht. Stattdessen nimmt man unberührt eine offene Schublade der Möglichkeiten wahr.

Eher klassisch, aber dennoch in Formbehandlung und Ausdruck grenzüberschreitend gibt sich György Ligetis Horntrio (1982), das allen drei Interpreten viel Kraft und Können abverlangt. Es war dann aber das am schwächsten wirkende Stück des Abends, weil die akustische Gesamtrechnung nicht ganz aufging – mal waren es Intonations- oder Rhythmusmängel, mal die Balance im Triospiel, die nicht recht befriedigen wollte – wobei der den Hörer mit unablässig stürzenden Linien konfrontierende Finalsatz am besten gelang. Vom US-Amerikaner Alvin Lucier gab es nach der Pause „Step, Slide and Sustain“ (2014) zu hören, einen fast schon wissenschaftlichen Musikbeitrag im Kontext.

Hier wurde zwischen Impuls und Halteton geforscht, somit standen akustisch-physikalische Prozesse im Vordergrund, die Grenzüberschreitung bestand in der radikalen Eingrenzung des Materials und dessen Ausleuchtung. Doch im kreativen Nachvollzug der Intentionen eines Komponisten ist elole erfahren und so bestaunte man eine Art klingenden Gärungsprozess und versank sich so in die ineinander schwebenden Frequenzen, dass man an einigen Stellen das Horn zu hören glaubte, obwohl es gar nicht spielte.

Mit solcherlei Überraschungen konnte das (hornlose) Klaviertrio von Isang Yun nicht mehr aufwarten, wohl aber war es die aus klassischer westlicher wie östlicher Tradition geformte Klangfarbe, die hier kalligraphieartig zu bewundern war. Hier sorgten Uta-Maria Lempert (Violine), Matthias Lorenz (Cello) und Stefan Eder (Klavier) erneut für eine packende Interpretation und grenzten die stark kontrastierenden Teile zwischen poetischem Fluss und wütender Klangeruption sehr gut ab. Ein Abend der Grenzerfahrungen war dies also in jedem Fall, aber einer, der an jeder Schwelle weite Einblicke in neue Landschaften gewähren ließ. Wenn künftig im Coselpalais dann noch Nebengeräusche aus anderen Sälen reduziert würden, steht einer Fortsetzung nichts mehr im Wege.

(11.11.16)

Published in Rezensionen

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