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Der Blick in den Spiegel

Dresdner Musikfestspiele stellen Programm für 2018 vor

Der Jubiläumsjahrgang der 40. Dresdner Musikfestspiele klingt noch in vielfältigen Erinnerungen im Ohr nach, da kündigt Jan Vogler bereits das nächste Festival an. „Spiegel“ heißt das ebenso beziehungsreich wie lapidar formulierte Motto der Dresdner Musikfestspiele 2018 – über vier Wochen hinweg finden insgesamt 67 Konzerte an 24 Spielstätten statt. Erfreulicherweise inszenierte man am vergangenen Mittwoch bei der Pressekonferenz keinen Event mit Spiegelkabinetten und allerhand daraus vorstellbaren Spielereien, sondern besann sich auf die Musik: Musik als Spiegel der Seele, Spiegelung als Reflexion von Zeit, Natur und Gesellschaft – das alles münzte Intendant Jan Vogler vor allem auf die Zeit der Romantik in der Musik. Das Kranfoyer des Kraftwerks Mitte war absichtsvoll für die Präsentation gewählt, denn die Staatsoperette kooperiert nicht nur mit der Oper „Candide“ bei einem Leonard-Bernstein-Schwerpunkt zum 100. Geburtstag des Dirigenten, sie ist auch Spielstätte weiterer Musikfestspielkonzerte.

Drei Tenöre waren gestern. Hier sind 17 Cellisten!

Der neue Saal im Kulturpalast ist ein weiterer wichtiger Spielort, und dort wird auch das Eröffnungskonzert am 10. Mai 2018 stattfinden. Selbiges allerdings ist ein Paukenschlag, denn es wird gleich von zwei musizierenden Intendanten der Festspiele bestritten: Jan Vogler ist der Solist in Dmitri Schostakowitschs 2. Cellokonzert, der Dirigent und ehemalige Festspielintendant Hartmut Haenchen dirigiert die Königliche Kapelle Kopenhagen. Ein Festival im Festival wird 2018 (nicht nur) die Herzen der Celloliebhaber höher schlagen lassen. Quer durch das ganze Programm hindurch werden immer wieder herausragende Cellovirtuosen das Publikum begeistern, dabei reicht die Spannbreite von „jungen Wilden“ wie Harriet Krijgh oder Marie-Elisabeth Hecker bis hin zu Altmeistern wie Yo-Yo Ma, Natalia Gutman, David Geringas oder Mischa Maisky. Yo-Yo Ma gastiert übrigens schon in einem Vorkonzert der Musikfestspiele, am 31. Januar 2018 in der Frauenkirche. Steven Isserlis wird ein Kinderkonzert geben und die berühmten Cello-Suiten von Bach fehlen auch nicht, allerdings wird – nachdem Yo-Yo Ma die „Erstinterpretation“ vorbehalten ist – bei den Musikfestspielen jede Suite im Konzert von einem anderen Cellisten gespielt werden. Finden sich genügend Kenner und Liebhaber im Konzert ein, dürfte das für Diskussionen in der Festspiel-Lounge sorgen, die auch im nächsten Jahr wieder zu Kurzweil und Gesprächen nach den Konzerten im QF-Hotel einlädt.

Zu einem wahren Cello-Gipfeltreffen kommt es dann in einer „Langen Nacht des Cellos“ am Pfingstmontag 2018, gemeinsam und in wechselnden Kombinationen werden sich die Stars der Kniegeige die Klinke – oder den Bogen – in die Hand geben.  Ein weiterer Höhepunkt und eine neue Ausrichtung des Festivals wird eine ab dem kommenden Jahr jährlich stattfindende Uraufführung sein. Mit Tan Duns welt- und kulturumspannenden Oratorium „Buddha Passion“ (UA am 23.5.2018) und mit der „Bohème 2020“, die in neuer Besetzung auch im kommenden Jahr das Festival zeitgenössisch unterwandern wird, verorten sich die Festspiele zumindest deutlicher als in vergangenen Jahren in der Gegenwart – wobei die Genreausflüge in Richtung Jazz (Gregory Porter), World (Gerardo Núñez Trio), Tanz (Hofesh Shechter) oder Literatur (Zola/Wokalek, Klaus Maria Brandauer) ebenso ein Markenzeichen der Festspiele bleiben wie die exquisiten Solistenkonzerte – diesmal unter anderem mit Joyce DiDonato, Ian Bostridge, Janine Jansen, Hélène Grimaud oder Radu Lupu.

Junge Künstler wie Daniil Trifonov oder das Signum Saxophone Quartet bilden ebenso einen Schwerpunkt wie die Gastspiele weltweit herausragender Orchester – 2018 sind das beispielsweise das Budapest Festival Orchestra, das Royal Concertgebouw Orkest Amsterdam, das Royal Scottish National Orchestra und das Orchestre des Champs-Élysées, letzteres unter Leitung von Philippe Herreweghe. Während dieser sich der Sinfonik des 19. Jahrhunderts widmet, sind die English Baroque Soloists unter Leitung von Sir John Eliot Gardiner auf Klangforschung bei Johann Sebastan Bach unterwegs, Barockes gibt es außerdem vom Dresdner Barockorchester, dem Sächsischen Vocalensemble oder vom Ensemble L’Arpeggiata mit Christina Pluhar.

Dem Originalklang auf der Spur ist auch im kommenden Jahr das Dresdner Festspielorchester unter Leitung von Ivor Bolton, das seinen Schwerpunkt in der Romantik ausbauen wird – es gibt mehr von dem – so Vogler – Dresdner Komponisten Robert Schumann zu entdecken, außerdem Brahms und Mendelssohn. Und die konzertante Opernaufführung des kommenden Jahres gehört einem Revolutionär der Musik: Hector Berlioz‘ „La Damnation de Faust“ mit Sophie Koch und Bryn Terfel in den Solistenrollen wird ein weiterer Höhepunkt dieser wieder einmal abwechslungsreichen und hochkarätig besetzten Musikfestspiele sein. Dieweil ist Jan Vogler selbstverständlich gedanklich schon in der Zukunft unterwegs: wenn Dresden sich als Kulturhauptstadt 2025 bewerben wird, sei die Unterstützung der Musikfestspiele in vielfältigen Ideen und Aktionen gewiss, so der künstlerische Leiter der Musikfestspiele. Das sind gute Aussichten.

 

Published in Rezensionen

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