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Konzert für Demokratie

Wenn bei einem klassischen Konzert vor dem Veranstaltungshaus polizeilicher Schutz gewährt wird, stimmt einen dies schon nachdenklich. Was ist das für eine Gesellschaft, in der solche Maßnahmen notwendig geworden sind? In den Februartagen gedenkt Dresden der Bombenangriffe 1945. Ein wichtiges Datum für die Menschen dieser Stadt, leider aber auch eines, das in Aufmärschen von den Rechten missbraucht wird. Wogegen Dresdner in Gegendemonstrationen und verschiedenen Veranstaltungen protestieren.

So war auch das „Konzert für Demokratie“ in der Dreikönigskirche gemeint, initiiert vom Verein Bürger.Courage e.V., einem Zusammenschluss Dresdner Bürger, der in der Vergangenheit schon mit nachhaltigen Aktionen zum Thema Demokratie und Toleranz aufgetreten ist. Der Schauspieler Friedrich-Wilhelm Junge führte mit Gedanken und Texten durch den Abend – überzeugen brauche man in der vollen Kirche niemanden, so Junge, aber der Gedanke des Versammelns zähle. Das Konzert war geprägt von einer nachdenklichen Atmosphäre, die Zeit gab zum Reflektieren über die Gesellschaft, über Prozesse des Erinnerns und Aufbegehrens, letztlich auch über die Position, die jeder für sich einnehmen will, denn: „die Wahrheitssuche findet in der Grauzone zwischen den Eindeutigkeiten statt“ – spontane Lösungen sind gefährlich, sofern sie nicht Herz und Verstand als Vertrauenspartner bemühen.

Neben Texten von Johannes Bobrowski und Erich Kästner gab es reichlich Musik verschiedener Dresdner Musiker, zunächst Orgelmusik von Léon Boellmann, dessen Toccata aus der „Suite gothique“ bereits Selbstbewusstsein im Ausdruck vermittelte. Anschließend lud das Finale aus Richard Wagners „Götterdämmerung“, von Hansjörg Albrecht in einer farbig registrierten Orgelbearbeitung vorgestellt, zu einer Auseinandersetzung über menschliche Leidenschaften ein. Tom Götze (Kontrabass), Christian Patzer (Saxophon) und Friedemann Seidlitz (Bassklarinette) steuerten ruhig fließende Improvisationen solistisch und im Trio bei, bevor ein Orchester aus Musikern der Sächsischen Staatskapelle und der Dresdner Philharmonie unter Leitung von Lars Zobel Musik von Paul Hindemith (Solist in der „Trauermusik für Bratsche und Streichorchester“ war Hanno Felthaus), Samuel Barber und Felix Mendelssohn Bartholdy spielte.

Das Programm prägte ein durchweg ernster Zug, der erst am Ende durch die Jugendsinfonie von Mendelssohn etwas aufgelockert wurde – doch ist allein die Tatsache solch bürgerschaftlichen Engagements Zeichen genug für Zuversicht. Stilles Kopfschütteln im Kämmerlein genügt nicht, denn, so Junge, „eine Demokratie ist nur so gut wie die in ihr lebenden Demokraten“. Insofern ist auch diesem Projekt von Bürger.Courage eine lebendige, aktive Fortsetzung zu wünschen; dem Gedanken einer Kultur, die sich mit den Zeitläuften lebendig und kontrovers auseinandersetzt, kam dieses Konzert erfreulich nahe.

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