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Sax-Teppich und Blech-Attacken

Jugend-Jazzorchester Sachsen konzertierte im Kleinen Haus

Gehörig „auf die Ohren“ gab es am Sonntag im Kleinen Haus – gut zwei Dutzend junge Jazzmusiker versammelten sich zum Konzert des Jugendjazzorchesters Sachsen, das unter dem Dach des Sächsischen Musikrates jährlich zwei Projekte veranstaltet: nach einer Woche der Begegnung und intensiver Proben schließen sich Konzerte und Reisen oder ein Auftritt auf einem Festival an. Das besondere Profil dieser Projekte erhält das Jugendjazzorchester durch Gastleiter und -musiker, die mit den Instrumentalisten die Programme erarbeiten. Dieses Mal war es Prof. Marko Lackner, von Haus aus Saxophonist und Arrangeur, der in Dresden an der Musikhochschule lehrt und dort auch die Big Band leitet. Lackner, der selbst bereits Preise für seine Kompositionen erhielt und mit vielen namhaften Jazzorchestern in Deutschland zusammenarbeitet, stellte im Kleinen Haus eigene Arrangements und einige Stücke aus der Swing/Latin-Tradition vor. Im Unterschied zu „alten Hasen“ und lange eingespielten Ensembles war von den ersten Tönen an klar, dass Temperament und jugendliche Frische diese Big Band bestimmte. Das Niveau der Stücke war durchweg sehr hoch, Lackner differenzierte den Klang und konnte mit den zwei Dutzend motivierten Musikern zwischen heimeligem Sax-Teppich und forcierten Blechattacken viele Nuancen zeigen. Erstaunlich war, wie sich ein Projektorchester in so kurzer Zeit zu einem schlagkräftigen Ensemble formt, das in puncto Homogenität und Drive kaum Wünsche offenließ. Im ersten Teil des Konzert wollte dennoch eine gewisse Atmosphäre der Konzentration nicht weichen, das ist allzu verständlich, da die Musiker sicher dem Auftritt entgegenfieberten und alle ihr Bestes gaben. Schließlich stellt auch das gemeinsame Musizieren in der Big Band andere Anforderungen als die (nicht weniger wichtige) „private“ Frickelei im Probenkeller. Lackners eigene Kompositionen boten interessante Querschläge in Welten jenseits des Jazz: Richard Strauss Tondichtung „Don Quixote“ war da einmal die Inspiration, dann deutsche Volkslieder (deren Verjazzung eine merkwürdige Metawelt vor allem aus harmonischer Sicht erzeugt), schließlich sogar – Kirschmarmelade, die Eingang in einen melodischen Salsa-Satz fand. Zahlreiche Soli der Ensemblemitglieder zeigten das gute Potenzial und vor allem die Spielfreude der jungen Musiker, Lackner selbst steuerte zwei Improvisationen auf dem Sopransaxophon bei. Große Big-Band-Musik (u.a. von Florence, Holman und Porter) mit einer deutlichen (Phon-)Steigerung zum Finale sorgte für ein begeistertes Publikum. Im Mai wird das Projekt mit einem Big-Band-Treffen in Halle/Saale und einer Konzertreise nach Lettland seinen Abschluss finden.

Veröffentlicht in Rezensionen

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