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Hochrangiges Gastspiel

The King’s Consort huldigt der heiligen Cäcilia

Was eint Jäger, Apotheker und die Feuerwehr? Sie alle (und noch viele Berufsgruppen mehr) haben einen Schutzpatron, der jeweils für passendes Wetter sorgt, Unfälle vermeidet oder für Festivitäten herhält. Für die Musiker ist dies die heilige Cäcilia, eine Märtyrerin aus dem 3. Jahrhundert, die in Abbildungen stets vor Musikinstrumenten posiert. Aus dieser Tradition heraus entstanden im barocken Zeitalter die Cäcilienfeste und festliche Kompositionen huldigten der Patronin an ihrem Namenstag, dem 22. November. Heutzutage begegnet man diesen Kompositionen eher auf Musikfestspielen barocker Art, so gastierte am Sonnabend in der Frauenkirche das englische „King’s Consort“ in der Frauenkirche in Zusammenarbeit mit den Händel-Festspielen Halle. Im ersten Teil gelang eine packende Begegnung zwischen barocker Musik und der Neuzeit: Henry Purcells erster Cäcilienode wurde Benjamin Brittens „A hymn to St. Cecilia“ gegenübergestellt. Purcells locker gefügtes und gefälliges Werk erklang in souveräner Interpretation durch das englische Ensemble; Brittens a-cappella-Werk nach W. H. Audens Dichtung war dagegen eine echte Entdeckung, der Chor des King’s Consort unter Leitung von Robert King gestaltete die anspruchsvolle Komposition transparent und mit dynamischer Ausgewogenheit, dieser Interpretation konnte auch ein zweimal klingelndes Mobiltelefon nichts anhaben. Ärgerlich ist dies trotzdem, selbst Hinweise im Programm hinderten auch die Hobbyfotografen fortwährend und sogar mit Blitz nicht an ihrer Tätigkeit. In Georg Friedrich Händels Kantate „The Choice of Hercules“ konnten die Musiker erneut volle barocke Klangpracht entfalten, mit betörenden Stimmen suchten Carolyn Sampson (Wollust, Sopran) und Hilary Summers (Tugend, Mezzosopran) den wankenden Hercules (Daniel Taylor, Countertenor) von ihren Vorzügen zu überzeugen. Diese solistischen Leistungen waren durchweg eine wahre Freude, ich würde sogar von einer Idealbesetzung für dieses Werk sprechen. Robert King gilt ohnehin als erfahrener Sachwalter für barocke Musik vor allem der englischen Provenienz. Bereits in Purcells Werk deutete sich an, dass King über ein hervorragendes Ensemble verfügt; böte sich wirklich Kritik an, dann lediglich bei etwas zu hastigen Tempoübergängen. Eindrucksvoll war vor allem, wie King mit dem Orchester Dynamik ausformte und so etwa die Schlussfuge der Händel-Kantate plastisch interpretierte. Weiche Zeichnung und kantable Tempi bestimmen seine Lesart, in der schwierigen Akustik der Frauenkirche hätte ich mir daher im Continuo manchmal beherzteren Zugriff gewünscht. Insgesamt war es ein hochrangiges, thematisch gelungenes Konzert zur Ehre der Patronin der Musik.

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