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Konzert ohne Grenzen

Junge Deutsch-Polnische Philharmonie Niederschlesien gastiert in der Kreuzkirche

Sechs Jahre gibt es sie schon, die Junge Deutsch-Polnische Philharmonie Niederschlesien, welche Musiker aus Deutschland und Polen vereint und jedes Jahr im Sommer ein Konzertprojekt mit Konzerten diesseits und jenseits der Grenze veranstaltet. Regelmäßig führt dabei der Weg auch nach Dresden, diesmal war es das Abschlusskonzert der einwöchigen Tournee. In der konzertarmen Sommerzeit ist das Konzertpublikum erfreut über solch ein Gastspiel, so war die Kreuzkirche recht gut gefüllt. Die schwierige Akustik der Kirche war ein wenig problematisch für die Musiker, die dynamische Balance war nicht immer gegeben. Das Programm war in diesem Jahr von nicht so hohem Anspruch, wie man es bisher von diesem jungen, temperamentvollen Orchester kennt. Zeitgenössisches war diesmal gar nicht vertreten, ich weigere mich, die belanglose Suite „Colas Breugnon“ von Tadeusz Baird als solche anzuerkennen. Die höchstens als Bühnenmusik tauglichen barockartigen Stilversatzstücke machten auf dem Konzertpodium keine gute Figur, obwohl Katarzyna Jablonska (Flöte) ihre wenigen solistischen Parts gut spielte. Der herausragende Erfolg von Wojciech Kilars Werk im letzten Jahr bewies jedoch, dass gerade jugendliche Musiker zu zeitgenössischer Musik einen unverkrampften, lebendigen Zugang haben, insofern hätte man sicher ein anspruchsvolleres Werk wählen können. Auch die anderen Werke des Abends stellten für die Musiker keine wirklichen Herausforderungen dar, denn mann muss konstatieren, dass im Orchester ein hervorragendes Niveau vorherrscht, die Streicher klingen sehr ausgewogen und die Werke waren gut einstudiert. Jan Jakub Bokun am Pult führte zunächst durch die ausgelassene „Festliche Ouvertüre“, Opus 96 von Dmitri Schostakowitsch. In Mozarts Sinfonia Concertante Es-Dur KV 297b waren einige Male Temposchwankungen zu hören, Bokun hätte außerdem in diesem Raum prägnanteres Spiel fordern können. Die Solisten Karolina Kownacka (Oboe), Mateusz Maszynski (Klarinette), Urszula Moc (Fagott) und Maciej Baranowski (Horn) begingen mit diesem Werk sozusagen ihren Abschied von dem Orchester und stellten ihre musikalischen Fähigkeiten eindrucksvoll unter Beweis; da war die Solokadenz des 1. Satzes ebenso eine Freude wie der vital musizierte 3. Satz. Eine Zusammenstellung aus der „L’Arlesienne-Suite“ von Georges Bizet bildete den Abschluss des Konzertes, hier überzeugte vor allem das warm timbrierte „Adagietto“. Herauszuheben gilt, dass sich hier länderübergreifend in jedem Sommer junge Musiker für mehrere große Konzerte zusammenfinden, diese glückliche Verbindung jenseits aller Grenzen gilt es unbedingt aufrechtzuerhalten.

Veröffentlicht in Rezensionen

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