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Walhalla kontrolliert abgebrannt

Wagner orchestral in der Dresdner Philharmonie

Zur Eröffnung der Reihe der Zykluskonzerte der Dresdner Philharmonie unter dem Thema „Mythen und Märchen“ wurde am vergangenen Wochenende passenderweise ein reiner Wagner-Abend gegeben. Wagners Orchestermusik Wagners Orchestermusik als Gipfel der Romantik und Schwelle zur Moderne sei hoch geschätzt, jedoch kann ich mich nie mit rein sinfonischen Extrakten der Opern anfreunden, da Text, Gesang und Orchester bei diesem Komponisten eine untrennbare Einheit bildet und die Platzierung von Vorspielen und Zwischenspielen natürlich dramaturgischen Sinn hat. So wirkt es in dieser Sichtweise gar absurd, wenn auf das Tristan-Vorspiel gleich der Liebestod folgt. Aber die Liebhaber von Klassik-„Schmankerln“ kamen in diesem Konzert durchaus auf ihre Kosten. Aus rein technisch-musikalischer Sicht war dieser Abend gelungen, interpretatorisch jedoch bleiben mir viele Fragen. Chefdirigent Rafael Frühbeck de Burgos leitete die Opernausschnitte, die dann als nächste Folge der neuen CD-Edition der Philharmonie bei der Firma Genuin erscheinen werden. Dass die Musiker wohl wegen der CD-Aufnahme um äußerste Präzision bemüht waren, war leider zu oft im Vordergrund der Interpretation und verhinderte so ein wirklich tiefes Eintauchen in die Welten von Sängerwettstreit, Verklärung und Götter-Apokalypse. Organisches Atmen der Musik ging dabei oft verloren, Frühbeck de Burgos leistete sich nur wenige Freiheiten im Auskosten der Themen obwohl Wagner ja gerade im „Ring“ und im „Tristan“ fortwährenden Druck aufbaut, der aus der Harmonik resultiert: die zurückzulegenden Wege und Übergänge der Musik werden wichtig, die Horizontale von Sehnen und Streben ist das A und O bei diesem Komponisten. Dabei war der erste Teil des Konzertes in vielen Punkten mäßiger als die ohnehin Sog entfaltenden Passagen aus der „Götterdämmerung“ nach der Pause. In den „Meistersingern“ stand die Musik einige Male, weil innerhalb langsamer Phrasen die Bögen der Musik nicht deutlich genug gezeichnet waren. Wenn man im Meistersinger- Vorspiel zu früh zu laut wird, hat man zwar eine große Masse Klang ausgebreitet, aber das Werk nicht genügend strukturiert. Ein wahrer Schrecken ereilte mich beim folgenden Vorspiel zu „Tristan und Isolde“. Ich hoffe nicht, dass das völlige Überfahren dieses Marksteins der Musikgeschichte etwa fehlenden Sekunden auf der CD geschuldet ist. Jeglicher Zauber und angekündigter Mythos ging den ersten Takten dieses genial komponierten Werkes verloren, denn hatte man sich innerlich gerade in die Cellostimme verliebt, war Frühbeck de Burgos auch schon zum dritten Ansatz dieses Themas enteilt. Ähnlich starr und durchgeschlagen wirkte auf mich der „Liebestod“, bei dem eine jede Isolde in der Originalfassung kaum zu Atem gekommen wäre. Einen viel runderen und intensiveren Eindruck allerdings hinterließen die Ausschnitte aus der „Götterdämmerung“. Jörg Brückner blies ein exzellentes Hornsolo, Rheinfahrt und Tod Siegfrieds waren von Frühbeck de Burgos mit Vorwärtsdrang gestaltet. Bei der Apokalypse hatte ich eher den Eindruck eines „kontrollierten Abbrennens“ der Walhalla, was für eine CD-Aufnahme sicher nicht schlecht ist, aber im Live-Konzert wiederum merkwürdig starr wirkt. Wagner orchestral darf, soll und muss auf der emotionalen Ebene jedenfalls noch um einiges intensiver klingen, das Potenzial im Orchester ist vorhanden.

Veröffentlicht in Rezensionen

3 Kommentare

    • ok, zu Brünnhildes Zeiten gab es noch keine Blogs, die man „verbrennen“ konnte… 😉

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