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Sex sells

Das Rezept geht auf: Ein Pianist spielt in möglichst atemberaubender Geschwindigkeit, unmittelbar sich mitteilender Hektik und dazu auch noch phasenweise unkonzentriert einige unbedeutende, aber gut schluckbare Werke chinesischer Komponisten. Die Platitüden dieser Stücke lassen einen die CD nicht einmal im Hintergrund ertragen. Obwohl ich Lang Lang schon mit Chopin live in ausgezeichneter Form erlebt habe, läßt man ihn per CD und TV zum ewig lächelnden Duracell-Tastenhasen verkommen. Mir ist ein über Mozart philosophierender Brendel da hundertmal lieber.

Veröffentlicht in hörendenkenschreiben

5 Kommentare

  1. ama ama

    Brendel ist seit Jahrzehnten mein Lieblingspianist!

  2. Titel kapiere ich nicht… Was hat „…in möglichst atemberaubender Geschwindigkeit, unmittelbar sich mitteilender Hektik und dazu noch unkonzentriert…“ mit Sex sells zu tun?

    Nichts.

    Mir fällt zu Sex sells immer nur das Gegenstück ein: Szell never sells. So hieß es in der CBS-Geschäftsführung einst über George Szell.

    Naja. Nicht wichtig. Nur Geplauder.

    • Ich wollte damit ausdrücken, dass die Faszination, die viele offenbar bei diesem Pianisten empfinden, im Grundsatz mit derselben zu vergleichen ist, die in Revuetheatern Anfang des 20. Jahrhunderts Menschen mit körperlichen und/oder geistigen Makeln erzeugten. Soll heißen: die Persönlichkeit ist egal, sie braucht auch gar nicht entwickelt zu sein, der „Makel“ wird ausgestellt. In diesem Fall ist es der „Makel“, auf möglichst extrem wahnwitzige Weise (und für den Laien sind die wirklichen Makel nicht zu erkennen…) Klavier zu spielen. Das mit dem Spruch gleichzusetzen ist lediglich aus der Überlegung heraus geschehen, wie schnell die Masse Mensch sich heute an einer Sache orientiert, die ihnen als phantastisch und sensationell präsentiert wird.
      (Auch Geplauder…)

  3. Wenn ich „Sex sells“ … im Zusammenhang mit klassischer Musik höre, denke ich an Lara St. John. Bisher ging kein klassischer Musiker hinsichtlich der CD-Abbildungen so weit wie die Geigerin bei ihren CDs von BWV 1001 etc., während in der Pop-Musik derartige Vermarktungsstrategien immer schon Mittel der Wahl waren – beispielsweise bei LP-Covern von Grace Jones.

    Aber ich will dein – gerne gelesenes! – Weblog nicht mit weiteren Überlegungen zu Sex sells zu müllen.

    Bis irgendwann!

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