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Senkrechtstart in den Maestrohimmel blieb aus

Hochschulwettbewerb Dirigieren endet mit drei Preisträgern

Wer am Sonntagabend nach exakt vier Stunden Endausscheid des „Hochschulwettbewerbes Dirigieren“ die Landesbühnen Sachsen verließ, war auch als Zuhörer bereichert, denn wann hört man schon einmal drei große
Sinfonien der Wiener Klassik in einem Konzert, dazu gleich dreifach das ohnehin selten aufgeführte Trompetenkonzert von Bernd Alois Zimmermann? Doch im Vordergrund der Veranstaltung standen drei junge Dirigenten, die es im an der Dresdner Musikhochschule ausgetragenen Wettbewerb bis ins Finale geschafft hatten. Es war nicht irgendein Wettbewerb: nach Dresden entsandten alle deutschen Musikhochschulen ihre besten Dirigierstudenten. In den Vorrunden standen mit dem Hochschulsinfonieorchester bereits schwere Aufgaben zur Bewältigung an: Werke von Richard Strauss, Witold Lutoslawski und Béla Bartók seien stellvertretend genannt. Da zudem die Carl Maria von Weber-Gesellschaft einen Sonderpreis für die beste Interpretation eines Weber-Werkes auslobte, waren auch die Ouvertüre und Arien aus der Oper „Der Freischütz“ zu dirigieren. Ulrich Kern (Musikhochschule Weimar), einer der drei Finalisten, hob als Besonderheit des Wettbewerbs das breite Spektrum der Werke hervor und lobte auch die tadellose Organisation durch die Dresdner Musikhochschule. Die Konzeption, so der Juryvorsitzende Prof. Ekkehard Klemm, sei besonders auf die Vielseitigkeit eines Dirigenten ausgerichtet gewesen, ein Faktor, der für die weitere Entwicklung der jungen Talente (über-) lebenswichtig ist. Dementsprechend war der Fokus im Finale neben einer komplett dargebotenen klassischen Sinfonie auf die zeitgenössische Musik gerichtet. Mit David Jarquin und Giuliano Sommerhalder (Trompete) standen zwei ebenfalls bei einem Hochschulwettbewerb (2005) ausgezeichnete, überragende Solisten zur Verfügung. Sie erhielten für ihre großartige Interpretation des Trompetenkonzerts von Zimmermann vom Publikum am Ende einen Sonderapplaus. Spannend gestaltete sich das gesamte Konzert, am Ende entschied die Jury, bestehend aus namhaften Dirigenten und Hochschulprofessoren, den 1. und 3. Preis nicht zu vergeben und den 2. Preis zu teilen. Dieser jeweils mit 2000€ dotierte Preis ging an Ulrich Kern, der die 4. Sinfonie von Ludwig van Beethoven mit guter Übersicht und mit einem sehr langsamen Adagio präsentierte, und an Kohske Tsunoda (Musikhochschule „Hanns Eisler“ Berlin), der die 104. Sinfonie von Joseph Haydn in überzeugend kompakter Weise darbot. Johannes Witt (Musikhochschule Köln), der jüngste Teilnehmer des Wettbewerbes, erhielt von der Jury einen Förderpreis in Höhe von 1500€. Der Sonderpreis der Carl Maria von Weber-Gesellschaft ging ebenfalls an Ulrich Kern. Zu interpretieren ist das Juryurteil sicherlich damit, dass ein „Senkrechtstarter“ unter den Teilnehmern nicht vertreten war. Dies muss aber nicht als schlechtes Zeichen verstanden werden, denn alle Dirigenten befinden sich in ihrer Entwicklung auf einem langen Weg, auf welchem, so Ekkehard Klemm, ein Wettbewerb sicherlich einen Mosaikstein, aber nicht die Hauptsache darstellt. Vielmehr sei den Dirigenten von Morgen möglichst eine umfassende praktische Ausbildung förderlich – in dieser Hinsicht kann sich die Dresdner Hochschule auf die bewährte Partnerschaft mit den sächsischen Orchestern des Umlandes verlassen. Das Orchester der Landesbühnen Sachsen bildete – verstärkt durch Studenten der Abteilung Jazz/Rock/Pop der Musikhochschule in Zimmermanns Trompetenkonzert – hier die aufgeschlossene und dem Willen der jungen Dirigenten aufmerksam folgende Grundlage.

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