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Gesichter und Geschichten von ‚Lennie‘

John Axelrod gastiert im 2. Zykluskonzert der Dresdner Philharmonie


(Quelle)

Die Konzertbesucher der Dresdner Philharmonie dürften das erste Gastspiel des amerikanischen Dirigenten John Axelrod noch in lebhafter Erinnerung haben: im März sprang Axelrod sehr kurzfristig ein und gestaltete mit dem Geiger Daniel Hope eine fulminante Interpretation des 1. Violinkonzertes von Dmitri Schostakowitsch. Nun steht Axelrod erneut am Pult der Philharmonie und stellt neben Beethovens Leonoren-Ouvertüre Nr. 3 die Sinfonie in Fis von Erich Wolfgang Korngold und (als Dresdner Erstaufführung) die Serenade für Violine, Streicher, Harfe und Schlagzeug von Leonard Bernstein vor. Das ungewöhnliche Programm wirft ein Schlaglicht auf Axelrods Verständnis von Musik: die Kommunikation mit dem Publikum und die Erschließung neuer Wege in der Vermittlung der Musik stellen für ihn wichtige Arbeitsfelder dar. Im äußerst lebendigen Gespräch mit John Axelrod wird diese Kommunikation sofort plastisch, denn dieser Dirigent lebt die Musik nicht nur auf der Bühne, sie ist allgegenwärtig. Arbeiten, lieben, spielen seien stetige Grundbedürfnisse; Axelrod ist das exzessive Spielen mit seiner zweijährigen Tochter Tallulah ebenso wichtig wie die unteren Schichten der Korngold-Sinfonie zu erforschen. Tallulah? Genau, dies war die Rolle von Jodie Foster in dem Film „Bugsy Malone“ – Axelrod schwenkt zum Klavier und gibt sofort einen Song aus dem Film zum Besten. Gelernt hat der Texaner Axelrod, der seit drei Jahren Chefdirigent des Luzerner Sinfonieorchesters ist, das Handwerk u.a. bei Christoph Eschenbach und Leonard Bernstein. Von letzterem nahm Axelrod die „Unausweichlichkeit der Abfolge der Noten“ als Erkenntnis mit. Was lapidar klingt, wird zur großen, bewussten Verantwortung vor dem jeweiligen Komponisten, dessen Partituren erst zum Klingen gebracht werden müssen. Tradition schließe das Experiment nicht aus, dies spricht auch aus seinen Luzerner Programmen, die einen Schumann-Zyklus ebenso umfassen wie viele Ur- und Erstaufführungen. Die „Serenade“ von Bernstein mag zwar mit Platos „Symposion“ einen tiefgründigen Hintergrund haben, Axelrod bringt das Werk auf überraschende Weise auf den Punkt: es sind die Gesichter und Geschichten von ‚Lennie‘. Erneut geht es ans Klavier, Axelrod erläutert, dass Motive der Serenade auch in Bernsteins Oper „Candide“ zu finden sind. Ein „Hickup“(Schluckauf)-Motiv ist ebenso vertreten wie leichte Jazzanklänge, ein Cocktail im besten Sinne sei dies. Axelrod freut sich außerordentlich auf das Konzert, er lobt den Solisten Wolfgang Hentrich ebenso wie das „fantastische Instrument“, die Dresdner Philharmonie, mit der sich die Zusammenarbeit wunderbar gestaltet, weil ein „guter Esprit“ die Proben bestimmt. Dresden selbst stellt Axelrod in eine Reihe mit Venedig und Krakow (letzteres seine zweite Wirkungsstätte neben Luzern) und vergleicht es mit einer Blume, die immer neu in wechselnden Facetten erblüht. „Step by step“ – „eins nach dem anderen“ meint Axelrod auf die Frage nach weiteren zukünftigen Projekten mit der Philharmonie, doch das erwartungsvolle Leuchten in seinen Augen ist unverkennbar.

3. Zyklus-Konzert der Dresdner Philharmonie
28./29.10.2006, 19.30 Uhr
Festsaal des Kulturpalastes am Altmarkt
Ludwig van Beethoven: Leonoren-Ouvertüre Nr. 3
Leonard Bernstein: Serenade für Violine, Harfe, Streicher und Schlagzeug nach Platos „Symposion“
Erich Wolfgang Korngold: Sinfonie in Fis, Opus 40

Wolfgang Hentrich, Violine
Dresdner Philharmonie,
Ltg. John Axelrod

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