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Gehemmt durch CD-Aufnahme

Silvesterkonzert der Dresdner Philharmonie

„Spielen die immer so leise?“ fragte mich meine Begleitung im Silvesterkonzert der Dresdner Philharmonie, obwohl vorne auf der Bühne die Schlagzeuger und Blechbläser des Orchesters ihr Bestes gaben. Nunja, in anderen Städten der Republik ist man bessere Säle gewohnt, man hört dort das Sinfonieorchester plastisch und direkt, vor allem, wenn man laut Karte in einer „Loge“ sitzt. Im Laufe des Konzertes wurde Chefdirigent Frühbeck de Burgos gefragt, was er sich für 2007 wünsche. Seine Antwort „den Frieden in der Welt“ dürfte ebenso schwer realisierbar sein, wie in Dresden lediglich einen neuen Konzertsaal zu bauen. Dies aber fiel Frühbeck nicht einmal als Wunsch ein, insofern warten wir stattdessen auf den Frieden in der Welt und erfreuen uns an leicht verdaulichen Encores, die in diesem Jahr, pardon im letzten, nein, in beiden Jahren – denn die Musiker setzten das Programm insgesamt viermal an Silvester und Neujahr an – auf dem Programm standen. Unbedingt erwähnenswert ist die interessante Dramaturgie des Abends, die einen Bogen von Mozart bis Luciano Berio spann und dabei sogar seltene Kostbarkeiten wie Orchesterstücke aus „Schwanda der Dudelsackpfeifer“ von Jaromir Weinberger präsentierte. Wieder einmal standen Mikrofonbatterien auf der Bühne, und wieder einmal behinderte die CD-Aufnahme leider ein befreites Aufspielen des Orchesters. Gar zu gekünstelt und akkurat wirkten manche Stücke, vor lauter bravem Spiel ging dann eher aus Konzentrationsgründen mehr daneben als sich in den Saal an Stimmung übertrug. Gleich zu Beginn fehlte in Mozarts „Le nozze di Figaro“-Ouvertüre die rechte Balance, hier war das Fagott sehr präsent. Zwei slawische Tänze von Dvorak litten unter zu gemäßigten und unausgewogenen Tempi, böhmische Tanzlust wollte dort nicht aufkommen. Auch der Ausflug in die k.u.k.-Monarchie misslang, der Einsatz des Tanzes im „Kaiserwalzer“ wurde von Frühbeck de Burgos in sehr eigensinniger Weise mit Dehnungen versehen, der tänzerische Schwung wurde dadurch brüchig. Dieser gemäßigte, gediegene und etwas aufgesetzte Duktus der ersten Konzerthälfte war auch in Anna-Katharina Mucks Moderation präsent, die den ungarischen Tanz von Johannes Brahms mit einer Emphase ankündigte, als würde man entweder der Uraufführung beiwohnen oder befinde sich unter lauter Schwerhörigen. Beides war nicht der Fall und so war erfreulich, dass die Schauspielerin im zweiten Teil des Konzertes in weitaus natürlicherer und angenehmerer Weise interessante Texte zum Jahreswechsel vortrug. Auch in den Interpretationen ging es nun um einiges spannender zu, das lag zum einen an der nun weitaus südlicheren Herkunft der Kompositionen, zum anderen waren die Stücke bestens präpariert, da diese bereits auf Tourneen der Dresdner Philharmonie als Zugabe zu hören waren. So kam nun auch das Dresdner Publikum in den Genuss von Gerónimo Giménez‘ Paradestück „La boda de Luis Alonso“ und auch das Intermezzo aus „Goyescas“ von Enrique Granados gelang vorzüglich. Dass Frühbeck de Burgos auch das Publikum bestens im Griff hatte, bewies die „Zugaben-Zugabe“, ob die nuanciert vorgeklatschte Radetzkymarsch-Fassung des 15 Uhr-Konzertes auf der CD zu hören sein wird, ist noch fraglich. In Reihe 7 wurde das Piano schlecht abgenommen. Und das, obwohl Frühbeck de Burgos bereits zum zweiten Mal ansetzte. CD-Aufnahmen sind eben nichts für Silvesterkonzerte…

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