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Nuancenreiche Stimmungen

Klavierrecital Severin von Eckardstein bei den Musikfestspielen

Wie in den vergangen Jahren gibt es auch bei diesen Musikfestspielen eintägige Reiseangebote zu kulturellen Themen, bei denen an bedeutenden Orten kleinere Konzerte stattfinden. Die „Weinlandschaftsreise“ führte am Pfingstsamstag zunächst in das Schloss Albrechtsberg, wo der Pianist Severin von Eckardstein für die Zuhörer ein einstündiges Solorecital darbot. Von Eckardstein hatte ein spannendes Programm vor allem unter dem Aspekt der „Klanglandschaft“ ausgewählt, das von Schumann bis Messiaen reichte. Zu Beginn zeigte der ARD-Preisträger in Leos Janaceks Zyklus „Im Nebel“ gleich seine besonderen Fähigkeiten in der Klangformung. Von Eckardstein besitzt eine subtile, sehr variable Anschlagskultur, die besonders im Piano-Bereich unzählige Nuancen
aufweist und rasant ausgeführte Steigerungen, aber auch Entspannungen ermöglicht, was für Janaceks Musik ideal erscheint. Damit interpretierte er den formal schwierig zu fassenden Zyklus wie einen nahezu improvisiert anmutenden Gedankenstrom, der eine ständige innere Melancholie aufwies, die sich nur im letzten Stück entladen darf. Von Eckardsteins Fähigkeit, verschiedene Stimmungen und Strukturen deutlich abzustufen und dennoch einen stringenten Fluss der Musik zu erzeugen, macht ihn ebenso prädestiniert für die Musik von Olivier Messiaen und Claude Debussy. In Olivier Messiaens Schlussstück aus „Catalogue des oiseaux“ überzeugte zudem eine völlig überlegte und konsequent durchgeführte Fingertechnik. Auch die drei Stücke aus „Images“ von Claude Debussy formulierte er klangsinnig und mit dem Mut zur leisen, unaufgeregten Gestaltung. Die einzige Kritik, die man anbringen kann, richtet sich gegen den recht müden Applaus des Publikums, das offenbar die typischen Solo-Schlager im Programm vermisste oder keinen Zugang zu der durchweg klug überlegten Interpretation der Kompositionen fand. Schließlich deutete von Eckardstein Schumanns Zyklus „Papillons“ nicht als Abfolge von lauter Einzelstücken, sondern legte den ganzen Zyklus als Gesamtblock auf den Kontrast der einzelnen Tanzsätze an. Schnelle Stimmungswechsel, pianistische Lockerheit ein ausgeprägter Sinn für die jeweilige Stilistik der Kompositionen – das fügte sich zu einer überzeugenden Matinee im Schloss Albrechtsberg, der von Eckardstein noch die Etüde für die linke Hand von Felix Blumenfeld und ein Stück von Alexander Skrjabin folgen ließ.

Veröffentlicht in Rezensionen

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