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Geschmeidig und natürlich

Kantaten von Bach und Buxtehude mit Dame Emma Kirkby

Vor einem Jahr gastierte Emma Kirkby zu den Musikfestspielen in Dresden, nun konnte man sie erneut in einem Konzert in der Dresdner Frauenkirche erleben. Seit Juni haben wir es bei der herausragenden Sopranistin mit einer Adligen zu tun, denn Queen Elizabeth II. ernannte sie zur „Dame“, einem hochrangigen Titel, der z.B. auch an die Sängerinnen Gwyneth Jones oder Elisabeth Schwarzkopf verliehen wurde. Zahlreiche Aufnahmen dokumentieren vor allem ihr Engagement in der Barockmusik, gerühmt werden ihre Aufführungen vor allem für das natürliche Klangerlebnis. Genau dieses erlebten auch die Zuhörer in der Frauenkirche, die leider zu diesem Anlass nur halb gefüllt war. Mit dem Purcell Quartett verbindet Kirkby eine langjährige Zusammenarbeit und so war es ein besonderes Erlebnis, das homogene Zusammenspiel zwischen Instrumentalisten und Sängern zu verfolgen. Das Programm kombinierte drei frühe Kantaten von Johann Sebastian Bach, die übrigens gerade vom Ensemble auf CD eingespielt wurden, mit Kantaten von Dietrich Buxtehude – ein auf den ersten Blick recht unspektakuläres Programm. In der kleinstmöglichen Besetzung mit vier Sängern, Streichern und ebenfalls minimalem Continuo waren dennoch gerade die feinen Abstufungen spannend, sei es in den verschlungenen Violinpartien der Buxtehudekantaten oder im niemals monotonen Kreisen einer Ciacona. Konzentriert konnte man die zahlreichen, von den Musikern gut herausgearbeiteten Affekte und Verästelungen der Musik verfolgen. Überhaupt war anhand der Auswahl der Kantaten gut festzustellen, wie reichhaltig die Formen der barocken Kantate ausgeprägt waren: reine Arienkantaten (Buxtehude, „Jesu meine Freud“) wechselten mit Litaneiformen (Bach, „Gleichwie der Regen“) oder Choralkantaten ab. Die vier Solisten harmonierten sehr gut miteinander; Dame Emma Kirkby (Sopran) und Michael Chance (Altus) faszinierten besonders im Duett „Den Tod niemand zwingen kunnt“ aus „Christ lag in Todes Banden“ von Bach. In dieser Kantate wurde auch der Eingangschor mit einem rasanten „Halleluja!“ besonders intensiv vorgetragen. Charles Daniels (Tenor) und Peter Harvey (Bass) zeigten ebenso vor allem Geschmeidigkeit und deutliche Diktion in der Stimme, sodass die unterschiedlichen Bibelerzählungen und Lobpreisungen der Kantaten äußerst plastisch wurden. Da sich zudem das Ensemble entschlossen hatte, vor dem Altarraum zu musizieren, war man als Zuhörer auch akustisch „mittendrin“ und genoss einen wunderbaren Konzertabend.
(22.7.07)

CD-Tipp:
Johann Sebastian Bach, Frühe Kantaten Vol. 2
Kirkby, Chance, Daniels, Harvey, Purcell Quartett
(Chandos Records), erschienen 22.6.07

Veröffentlicht in Rezensionen

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