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Handballspiel im leeren Schwimmbecken

Klaviertrio elole mit drei Uraufführungen in Hellerau

Nicht nur zur Weihnachtszeit erfreut das Dresdner Ensemble „elole“ das Publikum mit anspruchsvoller neuer Musik für Klaviertrio. Dennoch hatte das Konzert am Vorabend des 1. Advent im Festspielhaus Hellerau durchaus eine „besinnliche“ Atmosphäre. Dass dies mit gleich drei Uraufführungen gelingt, lag an der gelungenen Konzertdramaturgie und der souveränen Interpretation aller präsentierten Werke. Umrundet wurden vier größere Werke von einem Zyklus des Amerikaners Tom Johnson, die wie ein freundliches Pausenzeichen den Geist wieder reinigten und „klar Schiff“ für das nächste größere Stück machten. Diese kleinen „Predictables“ (Vorhersagbares) spielten in minimalistischer Struktur mit Hörerwartungen und waren dabei doch abwechslungsreich, augenzwinkernd und eben auf den Punkt gebracht, mit keiner Note zuviel.
Letzteres Merkmal trifft auf viele Kompositionen neuerer Art zu, die Dichte mancher Uraufführungen übertrifft oft das, was ein Hörer aufzufassen vermag. Wenn dies aber in konsequent explosivem Spannungsverlauf wie bei Carsten Hennigs „desire III“ geschieht, merkt man auf, zumal man sich den Hintergrund des Stückes – „Die belebende Wirkung des Geldes“ zunächst kaum in Musik dargestellt vorstellen konnte. Doch die Rotierungsmomente im Stück, sowohl durch Metallscheiben als auch durch die Instrumente plastisch dargestellt, wirkten dynamisch und durchdacht. Krasser Gegenpol dieses Werkes war Juan Maria Solares „EL-ES“, das sich kaum einmal über nacktes Material heraushob, verhalten gestikulierte und im Programmhefttext nur mit Anspielungen kokettierte, die entweder gar nichts mit dem Werk zu tun hatten oder eins zu eins und damit langweilig umgesetzt wurden. Dies bleib aber die einzige kompositorische Enttäuschung. Hartmut Dorschner, neben Hennig ein weiterer umtriebiger Dresdner Komponist, steuerte „Tendenzen“ bei. Diese Uraufführung beeindruckte durch eine packende Emotionswelt, in welcher selbst verhinderte, verzerrte, geplante und nicht ausgeführte Noten ihren Platz fanden. „Calabi-Yau“ von William Pertz schließlich war ein nachgereichter Beitrag zum im letzten Jahr ausgeführten Wettbewerb „Klang-Stadt-Stille“. Uta-Maria Lempert (Vl), Matthias Lorens (Vcl) und Stefan Eder (Klavier) widmeten sich auch diesem Werk mit äußerster Konzentration und schufen ein vitales Klanggemälde, das vor allem durch seine unterschiedlichen Bewegungsmuster überzeugte, nur an einigen Punkten wirkte das Stück fast überdreht, dennoch zeigte der Umgang mit dem Klangmaterial eine durchgehende Sinnlichkeit. Während andere Komponisten sich im Programmheft in der „Beschreibung des Essens“ verloren, zeigte Pertz fast literarische Qualitäten und steuerte mit der Assoziation eines Handballspiels in einem leeren Schwimmbecken ein absurdes Moment bei, was zwar partout nicht in das Stück passen wollte, aber diesem auf jeden Fall eine weitere, ebenfalls freundliche Ebene hinzufügte.

Veröffentlicht in Rezensionen

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