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Bewegende Friedensbitte

Chorsinfonik von Mozart und Martin an der Musikhochschule

Das chorsinfonische Konzert der Dresdner Musikhochschule hatte in dieser Saison einen besonders hohen Anspruch, nicht nur, weil mit oratorischen Werken von Wolfgang Amadeus Mozart und Frank Martin gleich zwei ambitionierte Stücke auf dem Programm standen. Es war zugleich als Kooperationsprojekt verschiedener Kräfte geplant, so traf der Hochschulchor (Einstudierung Olaf Katzer) auf den Universitätschor Dresden (Einstudierung Karl-Friedrich Winter) und dazu gesellte sich das Landesjugendorchester Sachsen mit Solisten aus den Gesangsklassen der Hochschule.

Die Verbindung einer Mozart-Messe mit Martins 1944 entstandenem Oratorium breve „In Terra Pax“ erschien so spannend wie sinnfällig, weil in der Aufführung mehr als deutlich wurde, wie einigend und einleuchtend sich die Sichtweisen zweier Komponisten im Abstand der Epochen und Zeitläufte darstellen. Mit Jörg-Peter Weigle kehrte auch ein Dirigent an die Hochschule zurück, der kurz nach der Wende nicht nur die Geschicke am Institut, sondern auch im Musikleben der Stadt maßgeblich beeinflusste. Das sorgte zum einen für einen restlos ausverkauften Konzertsaal in der Hochschule, zum anderen für besondere Spannung unter den jungen Musikern, denn Weigles große Erfahrung auf dem Chorgebiet ist ebenso bekannt wie seine motivierende Interpretationskunst.

So erlebte man eine frische Lesart der C-Dur-Messe, der sogenannten „Großen Credomesse“ von Mozart, bei der im Orchester noch etwas respektvolle Zurückhaltung vorherrschte, die Konzentration aber zu einem sehr angenehmen Ergebnis führte, denn Weigle kümmerte sich um viele Nuancen des schlanken Orchesterklangs und unterstützte einen lebendigen und frei schwingenden Chorsatz. Das Solistenquartett mit Elisabeth Göckeritz, Julia Böhme, Benjamin Glaubitz und Georg Finger passte sich adäquat und zumeist homogen in das Werk ein und glänzte vor allem im Benedictus, während der Chor mit sehr guter Textdeklamation das große Credo zu einem Genuss machte.

Dass Frank Martins Werke heute erst nach und nach wieder eine hervorragende Reputation auf den Konzertbühnen erfahren, ist verwunderlich – verfügte doch dieser Komponist über eine ganz eigene, aber jederzeit direkte und verständliche Musiksprache. So sprühen die elf Sätze des im Angesicht des 2. Weltkrieges entstandenen Werkes vor tiefer Emotion und daraus resultierenden überzeugenden kompositorischen Ideen. Im Orchester gingen die jungen Musiker mutig an den farbigen Satz heran, sowohl der dramatische erste Teil überzeugte als auch der von Henriette Gödde (Alt) gut ausgestaltete Largo-Satz im Zentrum des Werkes. Ah Young Yoon, David Sitka, Philipp Kaven und Felix Schwandtke hatten ebenfalls teils umfangreiche Partien zu bewältigen, die sie sehr achtbar und mit Sinn für den jeweiligen tiefen Ausdruck interpretierten. Dass die absolut hervorragend präparierten Chöre hier mit dem Willen zum Äußersten agierten und Weigle dies auch immer wieder mit Energie forderte, erzeugte eine bewegende Aufführung, an deren Ende Zuversicht im Glauben stand. Schön, dass nach den letzten trostvollen Tönen eine spannungsvolle Stille entstand, bevor man den vielen jungen Protagonisten zu einer Aufführung gratulieren durfte, die sehr ambitioniert und erfolgreich war.

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