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Musikalische Momentaufnahmen

Dresdner Stadtmuseum zeigt Fotoausstellung „Dresdner Philharmonie International“

„Dresdner Philharmonie International“ heißt die im März just vor dem Lockdown eröffnete Sonder-Fotoausstellung des Dresdner Stadtmuseums, die nun wieder besichtigt werden kann. Sie zeigt anläßlich des 150. Geburtstages des Orchesters Künstlerporträts und Fotografien von Frank Höhler, der das Ensemble zweiundzwanzig Jahre lang mit der Kamera begleitet hat.

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Oder in diesem Fall besser: ihre Fotos. Der 150. Geburtstag der Dresdner Philharmonie in diesem Jahr gibt auch anderen Institutionen Anlass zur Würdigung, denn das Orchester trug in den 150 Jahren seines Bestehens immer seiner Bedeutung als Bürger- und Stadtorchester Rechnung. So ist es nur folgerichtig, dass das Dresdner Stadtmuseum nun mit einer Fotoausstellung „Dresdner Philharmonie International“ vorangeht, die am 12. März eröffnet wurde, aber erst nun, nach der Wiedereröffnung der Museen in Dresden, endlich in Augenschein der Besucher genommern werden kann. Über zweiundzwanzig Jahre, von 1988-2010 und damit innerhalb der Chefzeit der vier Dirigenten Jörg-Peter Weigle, Michel Plasson, Rafael Frühbeck de Burgos und Marek Janowski (in seiner ersten Chefzeit) begleitete der 1955 geborene Fotograf Frank Höhler die Dresdner Philharmonie und fertigte unzählige Porträts vor allem der aus aller Welt stammenden Solisten, die mit dem Orchester gearbeitet haben, an – rund 30.000 Negative seien in dieser Zeit entstanden, teilte Höhler zur Eröffnung der Ausstellung im März mit.

Yehudi Menuhin, 1997

Neben den Musikern selbst ist die musikalische, konzentrierte Probenarbeit auch ein Thema, das aus den insgesamt 120 Exponaten (übernommen überwiegend aus Beständen der Fotothek Dresden) der Ausstellung spricht, denn fast alle Fotografien entstanden üblicherweise an Samstagen, bei der Generalprobe zu den bevorstehenden Konzerten. Höhler war mit den Jahren so vertraut mit dem Orchester, dass er diese Fotos in der Probe von der Bühne aus schießen durfte und somit auch die Nähe zu den Dirigenten und Solisten erhielt.

Marie-Elisabeth Hecker, 2008

Viele waren auch „Wiederholungstäter“ und eng mit dem Orchester verbunden, so entstanden auch Freundschaften oder einmal ein Foto-Auftrag im Ausland. Stars sind die einen oder anderen trotzdem, und wenn das – damals noch nicht bei den Kameras abschaltbare – Klickgeräusch im Pianissimo zu oft ertönte, gab es auch schon einmal einen strengen Blick. Und nicht nur deswegen war Partiturkenntnis nützlich: Musik ist eine vergehende Kunstform, der Augenblick ist unwiederbringlich. Da verwundert es heute fast, dass der Fotograf Höhler pro Sonnabend nur etwa 60-70 Fotos schoss, wo heute die Massenproduktion zumindest technologisch kein Problem mehr ist. Aber Frank Höhler gibt zu, ein „analoges Kind“ zu sein, obwohl er nach der Wende auch recht schnell auf die neue Technik umstellte. Und obwohl Musik fotografisch ja nicht darstellbar sei, meint man beim Zusehen auch Klänge zu hören – ein besonderer, nicht zu umschreibender Moment, den Höhler immer wieder einzufangen versuchte. Gleichzeitig sieht man auch intime oder persönliche Motive, wo man wiederum als Betrachter dem Musiker nah zu sein glaubt. Das macht den Reiz der Ausstellung aus, die wohl für viele treue Dresdner Konzertbesucher mit persönlichen Erinnerungen verbunden sein wird – dafür stehen allein Namen der Dirigenten wie Kurt Masur, Hartmut Haenchen, Yehudi Menuhin und Rudolf Barschai (der das Titelfoto zur Ausstellung schmückt) oder Solisten wie Julia Fischer, Mstislaw Rostropowitsch, Peter Rösel und Bruno Leonardo Gelber. Die Ausstellung im Stadtmuseum wird durch Plakate, Tournee-Fotos und einige weitere Objekte ergänzt. Und natürlich gibt es auch eine Musikecke, um die schon beim Zuschauen entstehenden inneren Töne mit denen des Orchesters zu verbinden. Die ursprünglich geplante Führung mit Frank Höhler am 7.5. konnte leider nicht stattfinden, das Stadtmuseum plant aber schon ein Gespräch mit dem Fotografen, das dann in einer Aufzeichnung zur Verfügung stehen wird. Außerdem gibt es auf dem youtube-Kanal „Museen Dresden“ drei Videos mit thematischen Kurzführungen durch die Porträtausstellung.

Fotos (c) Frank Höhler / Deutsche Fotothek

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Veröffentlicht in Dresden Features Rezensionen

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