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Intensiver Jahrgang: 33. Filmfest Dresden erfolgreich beendet

Das schönste am 33. Filmfest Dresden gleich vorneweg: es fand statt. Trotz immer wieder zu erneuernder Planungen und auch weiterhin bestehender Reiseschwierigkeiten für Teilnehmer:innen war der Termin vom 13. bis 18. Juli mit glücklicher Hand gewählt, hieß es doch seit 1.7.2021 für die sächsischen Filmfreunde: wir können wieder ins Kino! Und so konnte man bei diesem Jahrgang ein fast normales Festival erleben, auch wenn der Virus sich hier und da sogar in die Filme geschlichen hatte. Doch interessanterweise berichteten viele Filmemacher:innen auch von erweiterter oder sich vertiefender Zeit, um große Projekte anzugehen oder zu vollenden.Eventuell war es auch deswegen ein minimal ernsterer oder intensiverer Jahrgang oder vielleicht spiegelten auch wir Zuseher mit unseren eigenen Emotionen wiederum die Filme, so dass das befreite Lachen über eine gelungene Animation oder das Mitgehen mit den Tränen einiger Regisseur:innen, die einfach nur glücklich waren, ihre Arbeiten zeigen zu dürfen diesmal besonders spürbar war.

Hier bei mir im Blog gibt es natürlich eine begrenzte und subjektive Zusammenfassung, denn ich bin leidenschaftlicher Kurzfilmgucker seit 2003 (die Geschichte dazu verrate ich, wenn der dazugehörige Film wieder einmal gezeigt wird…) und par Profession natürlich an Geschichten und Tönen besonders interessiert. Begrenzung geschieht zudem, da ich aufgrund eigener Projekte und auch dem auch in diesem Jahr vollgepackten Filmfestprogramm nicht überall zugleich sein konnte – eine Tatsache, die ich nur schwer akzeptieren kann, und leider gehört ein leises „hab ich verpasst“ (allein 72 Filme liefen in den drei Wettbewerben) bei jedem Filmfestjahrgang dazu. Trotzdem ist immer wieder staunenswert, mit welcher liebevollen Akribie zahlreiche Sonderprogramme, Themen und Begegnungen für die Filmschaffenden gestaltet werden und natürlich zogen auch das Open Air auf dem Neumarkt und die Veranstaltungen an zahlreichen anderen Spielstätten jenseits dem Festivalzentrum in der Schauburg wieder viel Publikum an.

Bei jedem von mir besuchten Wettbewerbsblock war dann wie beim Fussballtippspiel das innere Spielkind hellwach und sinnierte darüber, ob im gerade Gesehenen schon ein Preisträger dabeigewesen ist. Die Vielzahl der hochdotierten Preise wurde am Samstag auch über eine Vielzahl von Filmen (etliche Lobende Erwähnungen gab es zudem auch) ausgeschüttet, was für einen erneut qualitativ sehr hohen Anspruch des Programms spricht, aber eben auch, dass nicht ein Film den Überflieger machte, sondern verschiedenste Arten und Ästhetiken ihren Platz und ihre Ehrung bekommen.

Zwei Filme wurden zweifach ausgezeichnet: AIVA von Veneta Androva und JUST A GUY von Shoko Hara erhielten die Goldenen Reiter im Nationalen und Internationalen Wettbewerb ebenso wie den Luca Filmpreis für Geschlechtergerechtigkeit (AIVA) und den Goldenen Reiter für Filmton (JUST A GUY). Beide Filme habe ich im Programm nicht erwischt, hingegen konnte ich den liebevoll und subtil verrückten Animationsfilm DOOM CRUISE von Hannah Stragholz und Simon Steinhorst direkt vor der Preisverleihung sehen – der Film erhielt den Filmförderpreis der Staatsministerin.

Auch bei KHODA BIAMORZ (May She RIP) von Nazgol Kashani beschlich mich das Gefühl, das dieser sanft komödiantische Umgang mit der iranischen Friedhofskultur preiswürdig sein könnte – der ARTE Filmförderpreis war die Belohnung am Sonnabend bei der Preisverleihung, die nicht mit Emotionen, rockigen Beats und rasanter Moderation geizte. Obwohl ich viele Filme nicht gesehen hatte, war auch für mich klar, dass Yallah Habibi von Mahnas Sarwari ein heißer Kandidat für einen Publikumspreis war – die schonungslos sympathische Geschichte der 18-jährigen Elaha (Banafshe Hourmazdi) begeisterte bereits beim Screening.

Besonders erwähnen muss ich hier auch A LACK OF CLARITY von Stefan Kruse Jørgensen, der den Goldenen Reiter Kurzspielfilm im Internationalen Wettbewerb gewann und auf eindringliche Art mit den Themen Schärfe, Realität und Überwachung spielt, faszinierend fand ich vor allem, wie konsequent Jørgensen in der einmal gefunden Stimmung des Filmes verbleibt und somit das Entkommen unmöglich macht.

Natürlich gehört auch zu diesem Bericht, dass ich Filme besonders sehenswert fand, die am Ende leer ausgingen (LIFE STILL von Anna Ansone), ebenso wie am Ende mit Preisen bedachte Filme, mit denen ich wenig bis nichts anfangen konnte (etwa PLAY SCHENGEN von Gunhild Enger). Zu ersteren gehörte auch DUSTIN von Naïla Guigue, der im LUCA Filmpreis aber eine lobende Erwähnung bekam. Zu einem ganz eigenen Genre mutierten in diesem Jahr auch die Videobotschaften, so etwa die von Yelyzaveta Pysmak zu MY FAT ARSE AND I, die sich zumindest in puncto Amüsanz einen Publikumspreis beim Screening verdient hätte.

Alle Preisträger:innen können auf dieser Seite nachgelesen werden. Die Preisträgerfilme waren bereits am Sonntag im Kino zu sehen, einige werden sicher auch zum Kurzfilmtag im Dezember und bei anderen Shorts-Screenings zu erleben sein. Am 1. September beginnt das Call-In für das 34. Filmfest Dresden 2022, das vom 5. bis 10. April stattfinden wird. Konjunktive schließen wir an dieser Stelle aus.

Bilder & Stills © FILMFEST DRESDEN (Titelbild: Filmstill aus DOOM CRUISE)

 

 

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Veröffentlicht in Dresden Rezensionen

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