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Mozart, Dresden und Slowenien

8. Spannungen-Konzert der Sinfonietta Dresden

Zwei Termine sollte sich der musikbegeisterte Dresdner im Jahr mindestens im Kalender einschreiben, nämlich die beiden „Spannungen“-Konzerte der Sinfonietta Dresden im Frühjahr und im Herbst. Wo sonst bekommt man gleich zwei Mozart-Klavierkonzerte und kontrastierende zeitgenössische Musik in einem Konzert? Die Kombination wirkte auch im 8. Konzert der Reihe, denn man kann immer noch seinen persönlichen Mozart für sich entdecken als auch feine Verbindungslinien zu den Zeitgenossen ziehen. In der Dreikönigskirche stand zunächst das Klavierkonzert C-Dur KV 246 von Mozart auf dem Programm, sicherlich eines der weniger oft aufgeführten Werke in diesem Genre. Dabei wirkt es durchaus hell und dankbar – Milko Kersten hatte am Dirigentenpult keinerlei Probleme, den lebendigen Gestus mitzuteilen. Diana El-Hassani, Pianistin an der Hochschule für Musik (Klasse Prof. Winfried Apel) folgte der Lockerheit der Orchestereinleitung und spielte ihren Part flüssig und angenehm, im Finalsatz gibt es sogar einiges an Raffinement, was von El-Hassani gut phrasiert wurde. Dass die Komposition lediglich als gute Unterhaltung im Gedächtnis haften bleibt, ist der Pianistin nicht anzulasten, denn extremer Ausdruck wäre in solch einem perlenden Stück nicht angebracht, insofern entsprach El-Hassanis luftiges Spiel durchaus dem Charakter des Stückes. Völlig anders gelagert sind die Dinge in Mozarts letztem Klavierkonzert B-Dur KV 595. Obwohl auch dieses nicht ins spielerische Extrem geht, fällt sofort der reife, flexible Spätstil Mozarts auf, in welchem überraschende Wendungen, geniale Instrumentation und schon fast romantische Themenanlage vorherrschen. Der Dresdner Pianist Andreas Henkel war für dieses Konzert der richtige Mann, denn er nahm sich gemeinsam mit der Sinfonietta die Ruhe, alle Schönheiten dieses Werkes auszukosten. Auch hier war wiederum überzeugend an der Interpretation, dass nicht Schnelligkeit und Virtuosität in die Tiefe des Werkes führt, sondern eher das konzentrierte Herangehen und die überlegte Ausformung. Die zeitgenössische Ebene des Konzertes war ebenso spannend und abwechslungsreich – die Sinfonietta stellte zwei eher streng komponierte Kammermusikstücke in völlig unterschiedlicher Musiksprache vor. Die slowenische Komponistin Larisa Vrhunc (*1967) näherte sich in „Where the moonbeam fell“ einem Gedicht von Edgar Allan Poe an und schuf in ihrem zarten Gebilde eine Fülle von vielfarbigen Klanginseln, die in kleinen Wellen immer wieder neu entstanden und verschwanden. Sie konnte sich hier der Versiertheit der sechs Musiker versichern, die im Kirchenrund besonders auf Präzision und dynamische Balance achteten. Dem Dresdner Komponisten Carsten Hennig ging es in „Die Angst des Flusses vor der Mündung“ eher um die Transformierung eines musikalischen Prozesses. Trotz des konstruktiven Ansatzes wirkten hier vor allem die emotionalen Gesten im Streichorchester stark. Milko Kersten fand für die beiden sehr anspruchsvollen Stücke eine packende Darstellung und somit war diese achte Begegnung mit neuer Musik und Mozart ein rundum gelungenes Konzert.

9. Spannungen-Konzert am 10.11.07, 19.30 Dreikönigskirche Dresden

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