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Divensport

… Netrebko und Garanca bei der Gala im ZDF zuzuhören, macht aggressiv. Strophensport und Terz-/Sext-Salat, das Orchester hat nix weiter als Grundtonteppich und Walzerfundament zu tun. Das SWR-Orchester ist an diesem Abend sowieso zu bedauern, diese Arien zu begleiten ist ungefähr so wie Staubflocken vom Parkett aufzusammeln. Wahrscheinlich haben die deswegen diesen Dirigenten dazugeholt, denn bei dessen Handbewegungen, die eher an den Anstrich einer Altbauwand erinnern, ist wenigstens noch das Überraschungsmoment des Abweichungsfaktors vom tatsächlichen Tempo drin (noch langsamer, es geht NOCH lang…sa…..mer *einnick*). Ich mochte Bellini noch nie. Können die beiden nicht mal was Gescheit’s singen, wenn sie schon so tolle Stimmen haben? Aus dem Off nun die sichtbar emotional berührte Stimme des Moderators: „…und nun das erste Solo von Anna Netrebko“ – ähm, sind wir beim Eistanz? Werden gleich die Kärtchen hochgehalten? – Bei der Kadenz zu „Casta Diva“, bei der die Netrebko mittlerweile das Tempo eines Probanden-Tapes in einem Schlaflabor erreicht hat, schalte ich ab. Vermutlich werde ich wieder als unromantischer Ignorant beschimpft, aber seine Stimme rossiniesk rauf- und runterkollern zu lassen, hat für mich in etwa den Charme eines selbstgestickten Platzdeckchens.
Und nun leg ich mir die Elektra auf. Es lebe der Widerspruch.

Veröffentlicht in hörendenkenschreiben

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