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Wildentschlossen und mit großem Anspruch

Das Universitätsorchester Dresden spielte Werke von Rimski-Korsakov, Berg und Tschaikowsky

Seminare, Prüfungen, Hausarbeiten – die Studenten der Technischen Universität sind derzeit gut beschäftigt, denn das Wintersemester ist in vollem Gange. Da ist man doch froh, wenn man zwischendurch einmal zur Trompete oder zum Cello greifen kann.  Ein gewisser Kick kann auch in der Musikausübung nicht schaden – schließlich macht das gemeinsame Spielen ja auch noch Spaß. Und genau dafür gibt es in Dresden das Universitätsorchester, das derzeit in großer und kleiner Besetzung wieder seine Semesterabschlusskonzerte veranstaltet. Dass am Sonntag zur gleichen Uhrzeit auch der Unichor, allerdings an anderer Stelle, die Bühne betrat, dürfte irgendetwas zwischen Fluch und logistischen Unabänderlichkeiten zur Ursache haben, aber hoffentlich kein Dauerzustand werden – im Grunde ist man ja hocherfreut, wenn in der ganzen Stadt so viel Musik erklingt. In der Lukaskirche versammelten sich jedenfalls die Orchesterliebhaber und natürlich sämtliche Fans, Freunde und Angehörigen der Musizierenden im Universitätsorchester, und damit war die Kirche voll.

Und sicher gab es im Vorfeld schon die Äußerung „Das müßt ihr euch anhören!!“, denn schließlich hat das Orchester ein halbes Jahr auf diesen Aufführungsmoment hingeprobt und dabei sicher einigen Schweiß gelassen, der fortan wieder den Hausarbeiten gilt, versprochen! Die klingen aber vermutlich nicht gleich so vortrefflich, wie am Sonntagnachmittag etwa die „Ouvertüre über russische Themen“ von Nikolaj Rimski-Korsakov, mit der das Konzert begann. Der Leiter des Universitätsorchesters Filip Paluchowski hatte den jungen Musikerinnen und Musikern wieder einmal ein anspruchsvolles und abwechslungsreiches Programm angetragen. Wer die 5. Sinfonie e-Moll von Peter Tschaikowsky kennt, weiß, dass die Ouvertüre zu Beginn noch nicht alle Kräfte abverlangen sollte.

Dafür aber war hier geschmacklich die russische Romantik bereits in ihrer schönsten Ausprägung präsent, bei der es im Orchester vor allem auf die Ausformung der volksliedhaften Themen ankam, die durch alle Instrumentengruppen wanderten und sich zum Schluss zum prachtvollen Blechklang vereinigten. Die folgenden „Sieben frühen Lieder“ von Alban Berg setzten in der Stimmung dann einen deutlichen Kontrast. Hier war mit viel gegenseitigem Zuhören ein kammermusikalisches Verständnis von der immer wieder changierenden Harmonik und der Atmosphäre gefragt, die in allen sieben um die Liebe kreisenden Liedern getroffen werden wollte. Dazu bemühten sich Paluchowski und das Ensemble um die Balance im Raum, damit die warm tönende Sopranstimme der Solistin Sophia Damaris auch gut zur Geltung kommen konnte. Das gelang besonders schön im wiegenden „Schilflied“ und auch das dem Konzert den Namen gebende „Traumgekrönt“ war innig gesungen. In den letzten beiden Liedern waren die Streicher dann doch etwas zu stark abgedeckt, denn Damaris sang gut verständlich und mit schöner Führung ihrer Stimme.

Mit dieser feinsinnigen Poesie war es dann nach der Pause vorbei, denn in Peter Tschaikowskys 5. Sinfonie breitet sich eine andere, sehr viel direktere und massivere Klangwelt aus, die aber selbstverständlich auch lyrische Momente kennt. Mutig ging das Universitätsorchester an die Noten heran und Filip Paluchowski agierte im 1. Satz fast ein wenig zu forsch, denn manche Steigerungen drohten etwas zu stürzen und nicht ganz in Ruhe ihre Phrasierung zu erhalten. Damit ist aber auch die Einzigartigkeit der musikalischen Aufführung beschrieben, zu der ja im besten Sinne auch eine pulsierende Spannung gehört. Oder auch ein Gänsehautmoment, der sich bei dem wunderschön gespielten Hornsolo von Edith Schriefl im 2. Satz einstellte. Auch die Klarinetten und Oboen zeigten in der Sinfonie tolle solistische Passagen, und die vielen Bläsersätze waren erstaunlich gut gelungen. Bei den Streichern hieß es vor allem im Finale „Augen auf und durch“, und wenn einem hier schwarz vor Augen wurde, dann nur wegen der vielen Balken über den Noten. Die rasanten Figurationen, die Tschaikowsky seinen Interpreten hier abverlangt, motivierte das Universitätsorchester zu wildentschlossener Spielfreude und das riss Ende auch das Publikum zu großem Applaus hin.

 

 

 

 

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