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Klang und Stille

Gründungskonzert des „Projektensemble KlangNetz Dresden“

Obwohl das KlangNetz Dresden als ein Förderprojekt der Kulturstiftung des Bundes zunächst auf vier Jahre begrenzt ist, sind die innovativen Ideen, die sich nun von der Hochschule für Musik ausgehend mit vielen musikalischen Partnern in der Stadt bilden und bereits in Konzerten niederschlagen, unbedingt langfristig zu betrachten. So ist auch die jetzige Gründung des „Projektensembles KlangNetz Dresden“ nicht eine fixe Herbeirufung Neue-Musik-Williger, sondern es stehen mit dem Einbezug von Dresdner Philharmonie und Musikhochschule zwei Institutionen verbindend hinter dem Projekt, die gleichzeitig seine Einmaligkeit ausmachen. In diesem Ensemble erarbeiten und spielen nämlich Studenten mit den Profis aus der Philharmonie große Ensemblewerke der zeitgenössischen Musik gemeinsam. Steht dann das Konzert noch unter so profilierter Leitung wie der des Komponisten und Dirigenten Hans Zender (dem in der nächsten Konzerten Matthias Pintscher, Beat Furrer und Ekkehard Klemm folgen werden), so ist eine hochklassige Qualität garantiert. Beispielhaft für die Vermittlung neuer Musik im Konzertsaal war auch die Präsentation des Abends im Kleinen Haus, der im Rahmen der Dresdner Musikfestspiele stattfand: Hans Zender hatte nicht nur eine vollkommen schlüssige Programmdramaturgie mitgebracht, er wusste die durchaus unterschiedlichen Werke unter dem Oberthema „Klang-Stille“ auch in wenigen Worten mit Musikbeispielen plastisch und für jedermann verständlich einzuführen. Morton Feldmans oberflächenartige, statische Musik aus dem Zyklus „The Viola in my life“, die dennoch in kleinen Nuancen „bewegt“ wirkte, konnte so ebenso faszinieren wie das mit heftigen, heterogenen Klangattacken gänzlich entgegengesetzte „Le Silence – Tystnaden“ von Isabel Mundry. Einen starken Eindruck hinterließ Giacinto Scelsis „Natura Renovatur“, das aus einem einzigen sogartigen Klangstrom der Streicher gebildet war. Hans Zender selbst steuerte „Furin no kyo“ bei, ein vor allem sinnliches Spiel mit verschiedenen Sprachen und Bewusstseinszuständen von Zeit und Klang. Angelika Luz (Sopran), Albrecht Scharnweber (Klarinette) und Wenbo Xu (Viola) waren die durchweg überzeugenden Solisten des Abends, dem Ensemble unter Zenders umsichtiger Leitung war volle Konzentration und Entschlossenheit anzumerken. Angesichts vieler musikalischer Parallelaktivitäten in der Stadt waren die lichten Reihen im Kleinen Haus wohl zu verschmerzen, der Begeisterung für Hans Zender und dem neuen Ensemble tat dies keinen Abbruch.

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