Skip to content →

Falsche Anbetung

Nun ja, das Lebenswerk von Swjatoslaw Richter ist unbestritten – ein Jahrhundertpianist. Dass aber ausgerechnet eine Saint-Saens/Gershwin-Aufnahme aus dem Jahr 1993 posthum vom britischen Musikjournalisten Norman Lebrecht (Rezension ->>) 5 Stars erhält will mir nicht in den Kopf. Mehr noch, ich beginne zu zweifeln ob Lebrecht überhaupt die CD gehört hat?! Oder ist das hier eine politische Freiheitsdemonstration der besonderen Art, bei der die Interpretation völlig nebensächlich ist? Wer Richters Charakter kennt und sich etwas intensiver auch mit Gershwin auseinandergesetzt hat, muss bereits beim ersten Hören dieser CD zu dem Schluss kommen, dass hier eine äußerst unheilige Eheschließung vollzogen wurde. Gershwin murdered by Richter, anders kann ich den Eiswürfel-Auswurf aus meinen Lautsprechern nicht beschreiben. Und schaue mir lieber noch einmal eine Interpretation an, die sich gewaschen hat und ein Gershwin-Verständnis aufbaut, das mir zigmal lieber ist als das metrisch korrekte Kegeln von Eschenbach und Richter.

Published in hörendenkenschreiben

3 Comments

  1. Anonymous Anonymous
  2. David Erler David Erler

    Ich habe die Gershwin-Richter-Versuche nicht gehört, aber allein die Beschreibung ist eigentlich ausreichend… 😉
    Was ich eigentlich schreiben will: Super-Beispiel, was Du da gepostet hast, Mr. Ozawa geht ja total ab, herrlich anzusehen ist das. Und anzuhören ohnehin.

    Vor ein paar Monaten habe ich mit meinem Sohn ein Familienkonzert hier im Gewandhaus besucht, in welchem unter der Leitung von Riccardo Chailly Gershwins „Rhapsody in Blue“ gespielt wurde: und zwar von Stefano Bollani, den ich bisher leider ausschließlich von seiner bei ECM erschienen Soloplatte kannte (dies jedoch war gleichwohl schon ein sehr guter erster Eindruck!). Aber so großartig, wie der dann den Kindern die „Rhapsody“ gegeben hat, hatte ich sie vorher noch nicht gehört, und meine Freude war umso größer, da er sich tatsächlich auch traute, Gershwin improvisierend ein wenig weiterzuspinnen. Ganz große Kunst war das also, was glücklicherweise auch zweimal noch im Großen Konzert zu hören war, leider jedoch nicht von mir, was ich im Nachhinein sehr bedauere (das Klavierkonzert gab’s da nämlich auch noch!). Aber für einen kleinen Eindruck habe ich jetzt endlich auf youtube noch etwas gefunden, leider zweigeteilt und leider mit zwei oder drei kleinen Aufnahmefehlern (es springt ein paar Male kurz), aber trotzdem ziemlich beeindruckend, wie ich finde:

    Liebe Grüße nach Dresden!
    David

    • oh, danke für die ausführliche Replik…hier lesen ja doch noch paar mit 😉 Grüße zurück!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.