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CD-Tipp September

Im Sommer gab es eine kleine Pause – auch mangels Neuerscheinungen, die aber nun gleich stapelweise kommen. Und voilá, une pianiste superbe:

2010 war sie schon für mich sozusagen die „Überraschung des Tages“, als sie bei einem Konzert des Moritzburg Festivals im Schumann Klavierquartett gastierte, und man will ständig mehr hören von dieser gerade einma 23jährigen Künstlerin. Allerdings tourt sie auch ordentlich herum und hat ein beängstigend breites Repertoire, gerade gastiert sie mit Beethovens 4. Klavierkonzert in Ludwigshafen. Leider ist ihre Website derzeit eine Baustelle. Aber auch auf facebook und twitter ist sie fleißig unterwegs und versorgt ihre Fangemeinde mit Neuigkeiten.

Nachdem sie 2009 noch mit Luisi das (in dieser Lesart ungewohnt breitwandige) 2. Chopin-Konzert und Balladen veröffentlichte, haben wir nun Liszt vor uns – was auch sonst. Bevor ich aber nun sinniere, ob der Wert des Komponisten relativ gesehen zur Anzahl der auf den Markt geworfenen Scheiben mit seiner Musik sinkt, lobe ich lieber diese CD. Lise legt die Platte auf Kontrast an, wagt es gar, die intimsten Liedbearbeitungen neben Dante-Sonate und Mazeppa zu legen – man muss ja schließlich auch einmal durchatmen, nachdem Frau de la Salle den Steinway offenbar mit einem Donnerspeer bearbeitet hat. Sicher: die sportlichen Zuhörer greifen lieber zu Volodos und Kissin, aber darum geht es auch gar nicht. Möchten wir nicht die Stücke erzählt bekommen, wollen wir nicht das spezifische Temperament der Pianistin erfassen können? Wollen wir gar überrascht und gepackt werden? Dann sind wir bei Lise de la Salle perfekt aufgehoben.

Wenn in „Nuages gris“ dann noch dieser Schuß französischer Sanftmut hineingerät, sind wir vollkommen glücklich… Ach, Liszt, ein schlechter, langweiliger Komponist? Das steht und fällt, sieht man hier wieder deutlich, mit dem, der sich seiner Musik nähert. Und nähern will.
* Lise de la Salle bei facebook

Außerdem hörenswert:
* Björk – Biophilia — ein bißchen Geduld brauchen wir noch, bis die CD am 7.10. erscheint. Trotzdem heute schon die Vorfreude, denn dann könnte die Geschichte der Sicht auf unsere Welt zumindest um ein kleines musikalisches Meisterwerk bereichert sein…
* Ich erwähnte schon oben das Moritzburg Festival. So frisch wie her Jahr für Jahr Kammermusik zelebriert wird, könnte Kult daraus entstehen. Noch nicht überzeugt? Forelle hören! -> Jan Vogler – Sony – Forellenquintett
* ein „neuer“ Rattle bei EMI? nunja, zumindest eine Schönberg-Platte, wenngleich die Hälfte von der Orchestration des Brahms-Klavierquartettes eingenommen wird. Trotzdem ein tolles Stück, ebenso wie die hier (leider) in großer Besetzung umgesetzte 1. Kammermusik und die Lichtspielszene. Nach dem zweiten Hören bin ich aber dennoch etwas entsetzt von einem durchweg aufrechterhaltenen sämigen Gesamtklang, der die CD leider höhepunktsarm erscheinen läßt.
* Bon Iver – Bon Iver: Hoppla, die Alternative (ich hasse Genres…) – Entdeckung des Monats. Beim Einsortieren in den Laden wird es hier wirklich schwierig. Folk trifft Einsamkeit, satter Bandsound trifft Ohrwurmkunst… Anhören. Überraschen lassen.

Published in Rezensionen

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