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Advent in h-Moll

Kammerchor der Singakademie Dresden mit Eccard, Hammerschmidt, Bach und Füting

Seit 2004 ist der „Adventsstern“ der Singakademie Dresden ein fester Programmpunkt der musikalischen Aktivitäten der Vorweihnachtszeit. Dass neben der Besinnlichkeit und Vorbereitung auf das Weihnachtsfest in diesem Konzert tiefergehende Beleuchtung adventlicher Gedanken musikalischer Art zu erleben sind, darf sich gerne noch mehr herumsprechen. Als solches dient nämlich der „Adventsstern“ als hervorragende Alternative zur inszenierten Besinnungslosigkeit dieser hektischen Zeit. Die Dramaturgie der Programme, für die Leiter Ekkehard Klemm verantwortlich zeichnet, bietet dabei manche Überraschung feil.

Doch nur kurz währet das Stutzen, als man im Programmheft neben dem Komponistennamen Johann Sebastian Bach nicht das Weihnachtsoratorium als Aufführungsgegenstand erblickt, sondern den ersten Teil der h-Moll-Messe. Klemm versteht die h-Moll-Messe im Sinne von Neuerung und Aufbruch und zieht damit eine sinnvolle Parallele zur Weihnachtszeit – eine weitere besteht in den weihnachtsaffinen Teilen des Ordinarium Missae, die selbstverständlich Geburt und Anbetung Jesu (Gloria, Benedictus) nicht auslassen. Die Singakademie wird sich dem Meisterwerk in drei Teilen bis 2013 im jeweiligen „Adventsstern“ zuwenden und stellt Bach jeweils eine „Re-Aktion“ eines zeitgenössischen Komponisten zur Seite. Am Sonntag war dies der in Amerika und Deutschland wirkende Komponist Reiko Füting, dem mit „höhen-stufen“ eine reizvolle kontemplative Betrachtung von Sprache und Zeit gelang.

Spannend war zu beobachten, wie sich die Verzahnung von Harmonik und Zeitfluss in Fütings Werk zu Bach verhielt. Beide Komponisten arbeiten in klar wahrzunehmender strenger Strukturierung, und es wird jeweils eine Gesamtidee deutlich, die die Thematik beleuchtet, aber nicht einengt. Die Idee von himmlischen und irdischen Stimmen wird hier kompositorisch sehr plastisch ausgeformt und stellen somit auch einen Bezug zur Messe im theologischen Sinne her. Der Kammerchor der Singakademie hatte mitsamt fünf Solisten (Jana Reiner, Christiane Büttig, Elisabeth Holmer, Oliver Kaden und Egbert Junghanns) vielfältige Aufgaben zwischen Geräusch, Tonfläche und Deklamation zu bewältigen, Uta-Maria Lempert steuerte ein das Werk reflektierendes Violinsolo von der Empore bei.

Endend mit der Chorsatz „Cum Sancto Spiritu“, wirkten Kyrie und Gloria der Messe in dieser Teilaufführung geschlossen und wurden ja auch von Bach zur – nicht erfolgreichen – Bewerbung um einen Hoftitel in Dresden eingereicht. Für den runden Gesamteindruck der Aufführung sorgte Klemms Auswahl flüssiger Tempi, die klare Themengestaltung zuließen – so rückte jeweils der ganze Satz in den Hörvordergrund, weniger die Details. Bereits die beiden Kyrie-Sätze waren zielgerichtet ausmusiziert, das Gloria hätte noch etwas mehr rhythmische Emphase zeigen dürfen. Der Kammerchor zeigte, dass er die anspruchsvollen Chorpartien engagiert bewältigen kann, einige Reserven waren in den Mittelstimmen zu bemerken. Empfunden und stilgerecht waren die Arien von den Solisten gestaltet, in der Begleitung der Sinfonietta Dresden fielen allerdings einige Ungenauigkeiten in der Phrasierung und ein durchweg zu präsentes Continuo auf. Der Kammerchor der Singakademie hatte zu Beginn noch einen weiteren Programmteil mit Continuo-Begleitung und a-cappella ausgestaltet und damit erfolgreich eine höchst ansprechende Gesamtleistung bewältigt: Motetten von Johann Eccard und Andreas Hammerschmidt zeigte der Chor mit überzeugender Textdeklamation ud folgte Klemms Zeichengebung stets aufmerksam, so dass die Motetten Schwung und Klarheit erhielten. Damit löste der Chor gleich zu Beginn die adventliche Stimmung aus, die im folgenden die Betrachtung der Gegenwart, der Musik und Kulturen erst ermöglichte.

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