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Naturalistische Schwerpunkte

Zeitgenössische Musik mit dem TALEA Ensemble im Kulturrathaus

Rund siebzig sächsische Komponisten präsentieren sich auf einer Website, die der Komponistenverband vor einigen Jahren installiert hat. Nimmt man alle sich nicht dort vorstellenden Tonsetzer sowie den komponierenden Nachwuchs an den Hochschulen und Musikschulen hinzu, muss man um die Entstehung von neuer Musik keine Sorge tragen – allein, wer führt sie auf? Im Verbund von KlangNetz Dresden ist auch der Sächsische Musikbund vertreten, der sich seit 1998 genau um die Pflege der Musik lebender Komponisten in Sachsen bemüht und im Schnitt pro Jahr sechs Projekte initiiert, die jeweils in den drei sächsischen Großstädten Dresden, Leipzig und Chemnitz stattfinden.

Das TALEA Ensemble, das in diesem Rahmen am Sonnabend im Kulturrathaus musizierte, schlägt zudem eine Brücke nach Sachsen-Anhalt – die Musiker des gemischten Kammerensembles stammen aus Orchestern in Leipzig und Halle. Abwechslungsreich und stimmig wirkte die Dramaturgie des Konzertes, dessen zwei Hälften von je einem „Klassiker“ der zeitgenössischen Musik eröffnet wurden. Stilistisch sehr unterschiedlich, waren die beiden Stücke von George Crumb (Eleven Echoes of Autumn) und György Kurtág (Hommage à R. Schumann) doch verwandt in ihrem Angebot vielfältiger Bezüge innerhalb und außerhalb der Musik. Sie waren auch hervorragend geeignet als Einstimmung auf die neuen Kompositionen in Sachsen lebender Komponisten.

Carsten Hennigs aus einem Zyklus namens „desire“ stammendes Werk „Die belebende Wirkung des Geldes“ trägt zwar einen blumigen Titel, erzeugt aber mit seinen musikalischen Rotationen nicht nur den naturalistischen Effekt sich drehender Münzen, sondern auch eine beunruhigende Grundhaltung der Erwartung. Naturalismus war überraschenderweise ein Element, das dann das ganze Konzert in mehr oder weniger starker Weise durchzog und zum Nachdenken, auch über ästhetische Dimensionen aufrief. Steffen Reinholds „Echoes of Staffa“ mit Bezug zur Fingalshöhle auf den Hebriden rief dazu ebenso auf wie Jens Marggrafs Gedichtbetrachtungen nach Octavio Paz „Piedras y Pájaros“. Bei Knut Müllers „UTRIUSQUE COSMI“ war der Bezug zur bildenden Kunst der Renaissance stark ausgearbeitet und schlug sich doch in einer eigenen, rhythmisch prägnanten und urwüchsigen Musiksprache nieder. Das Talea Ensemble zeigte sich versiert für diese sehr verschiedenen Handschriften, die sechs Musiker pflegten bei der zeitgenössischen Musik ein atmendes Miteinander und wussten auch in der schwierigen Akustik die Nuancen der Werke solistisch wie im Ensemble gut offenzulegen.

Konzerte des Sächsischen Musikbundes in Dresden
Mi, 25. März, 19:30 Uhr, Konzertsaal der HfM, „Komponieren in Sachsen“, Doppelportrait mit Werken von Christian FP Kram und Christian Münch

Do, 07. Mai, Dreikönigskirche: Konzert mit vocal modern zum 100jährigen Gedenken an den Völkermord in Armenien

Mo, 29. Juni, 19:30 Uhr, Kleiner Saal der HfM: Klavierabend mit dem Pianisten Moritz Ernst, mit Werken u.a. von Johannes K. Hildebrandt, Christian FP Kram und Tobias Schick

Di, 6. Oktober, 20 Uhr, Leonhardi-Museum: „Klangportraits Sachsen-Schweiz“ mit dem Schweizer Trio Saeitenwind, mit Stücken u.a. von Michael Pelzel, Knut Müller und Tobias Eduard Schick

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