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Östliche und westliche Traditionen

Ensemble Courage im zweiten „An die Freunde…“-Konzert

Im zweiten Konzert der neuen KlangNetz-Reihe „An die Freunde…“ gab es erneut Ensemble-Kammermusik zu erleben, diesmal richtete sich der Blick nach Asien. Natürlich ist das Motto der Konzertreihe derart dehnbar, dass man ohne weiteres eine zehnjährige Reihe daraus basteln könnte – die acht Konzerte in diesem Jahr werden fokussierend nur einige Aspekte erfassen können. Der Blick nach Asien ist insofern – erneut – wichtig, da sich seit den ersten Annäherungen europäischer Komponisten der zeitgenössischen Musik die Musiklandschaft gewandelt hat: viel selbstverständlicher trifft man heute auf asiatische Komponisten und Interpreten, die meisten von ihnen weisen eine fast globale Ausbildung bei Lehrern und Instituten rund um die Welt auf.

Insofern hatte das Ensemble Courage sicher die Qual der Wahl bei der Auswahl der Kompositionen. Mit dem Porträt von Isang Yun (1917-95) und Toshio Hosokawa (*1955), zwei Vaterfiguren der asiatischen zeitgenössichen Musik, gelang eine runde Dramaturgie. Eine Uraufführung des jungen chinesischen Komponisten Shen Hou, der in Dresden an der Musikhochschule studiert, setzte einen aktuellen Akzent. Schön auch, dass man im kooperierenden Hygiene-Museum auf Atmosphäre setzte. Statt Frontalbespielung saß das Publikum in kleinen Runden an Tischen, japanische und chinesische Tees wurden gereicht. Trotzdem war die Bühne dann doch ein paar Meter zu weit vorne, als dass sich gänzlich Intimität im großen Marta-Fraenkel-Saal einstellte.

Das zu Beginn gespielte Quartett für Flöte, Violine, Cello und Klavier ist insofern untypisch für Isang Yun, da es mit ungewohnt sanften, fast impressionistischen Klängen startet. Erst später wird die Struktur aufgeraut – einem durchgehalten fortissimo gespielten, wilden Abschnitt antwortete ein kurzes Adagio wie ein Abgesang. Dem Koreaner Yun folgte der Japaner Hosokawa: dessen „Stunden-Blumen“ sind deutlich auf Olivier Messiaen bezogen, zitieren jedoch nicht wörtlich. Hosokawas im Mikro- wie Makrokosmos auf Entstehen und Vergehen eingehende Ästhetik ist schwer erreichbar, gleichwohl schuf das Ensemble Courage hier wie auch in den aphoristisch anmutenden „Duo“ für Violine und Violoncello spannungsgeladene Darbietungen.

Shen Hous Uraufführung „Z“ setzte einen schönen Kontrast, war sie doch im Gegensatz zu Yuns und Hosokawas tonreich-entwickelnden Kompositionen im zu entdeckenden Moment aufgehoben. Da stand die Zeit still und trotzdem gab es jede Menge Geräusche und Ereignisse zu entdecken – um so aufregender war dann ein plötzliches Insistieren eines Klanges oder eine aufgebaute Fläche. Isang Yuns „Pièce Concertante“ aus dem Jahr 1976 beschloss das Konzert – trotz markant dissonantem Material war es das mit (westlicher) Musiktradition am nächsten zu verbindende Werk, und man konnte den klar abgegrenzten Teilen gut folgen. Fernab von Exotismus oder dieser Kultur gerne vergebenen Klischees ging das Ensemble frisch und kompetent mit diesen Werken um und zeigte eine Spielkultur, die tiefes Eindringen beim Hören ermöglichte. So konnte im wahrsten Sinne des Wortes Freundschaft geschlossen werden mit einer Musik, die uns heute kaum mehr fremd erscheint, sondern ihren Platz in der musikalischen Welt eingenommen hat.

Published in Rezensionen

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