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Kammermusik-Panorama

Gesprächskonzert mit Isabel Mundry eröffnet „KlangNetz Dresden“

Kurz nachdem das auf vier Jahre angelegte „KlangNetz Dresden“ in der Musikhochschule von Jörn Peter Hiekel (Leiter des Instituts für Neue Musik an der Hochschule) mit vielen anwesenden Partnern der Dresdner Kultur feierlich eröffnet wurde, gab es auch schon das erste Konzert des Netzwerkes, dessen Gedanke von Vernetzung und Vermittlung sofort deutlich wurde: Staatsoper und Musikhochschule arbeiteten eng zusammen, um Veranstaltungen mit der Komponistin Isabel Mundry zu ermöglichen, derzeit erster „Capell-Compositeur“ der Sächsischen Staatskapelle. Vorausgegangen war am Mittwoch in der Hochschule bereits ein Kolloquium mit der Komponistin zum Thema „Weltbezüge in Musik“. Der Konzertabend in der Aula des Lehrinstitutes widmete sich der Kammermusik der letzten Jahre und wurde von Studenten des Hauses sowie Gästen bestritten. Der gute Zuspruch seitens des Publikums läßt für das Netzwerk hoffen, allerdings sollte sorgfältig überlegt werden, an wen man die neue Musik vermittelt. Wenn im akademisch geprägten Publikum nur Fachleute und Komponisten anwesend sind, sind diese zwar auch höchst dankbar, doch der Vermittlungsgedanke sollte unbedingt weiter greifen. Das Gesprächskonzert hätte überdies mehr Prägnanz ausgestrahlt, wenn der Focus lediglich auf zwei oder drei Stücken von Isabel Mundry gelegen hätte – die Konzertreihe der „Short Concerts“ der Musikhochschule wäre ja in puncto Konzentration und Vermittlung ein Vorbild in dieser Hinsicht gewesen. So aber war bereits in der Pause das Limit der Aufnahmefähigkeit erreicht, denn Mundrys Werke vermitteln sich beileibe nicht leicht, auch wenn die Komponistin versuchte, ihre Ideen für die Stücke im Gespräch mit Hiekel darzustellen. „Musik erklären“ erschließt nicht immer die Musik selbst. Wenn von Prozesshaftigkeit und Beschäftigung Wahrnehmung gesprochen wird und die erklingende Musik anschließend über Prozesshaftigkeit und Beschäftigung mit Wahrnehmung kaum hinausgeht, bleiben Fragen offen. Bei den Dufay-Bearbeitungen etwa erschließt sich die Kompositionsabsicht nicht. Wenn man so fasziniert von Dufay ist, warum muss man ihn dann bearbeiten, ihm unbedingt eine abstrakte Schicht Gegenwart unterjubeln? Nichts wäre schöner gewesen als die spannende Kontrapunktik im reinen Original einem Mundry-Werk, etwa den „SpiegelBildern“ gegenüberzustellen. Die Bearbeitungen wurden engagiert durch das „El Perro Andaluz“-Ensemble unter Lennart Dohms vorgetragen, nicht überall wurde dieses hohe Interpretationsniveau gehalten. Mit dem Klavierlied „Anagramm“ etwa hatte die Sopranistin Lisa Fornhammer arge Umsetzungsprobleme, Präsenz und Prägnanz hätte hier verbessert werden können. Völlig überzeugend und spannend dagegen gelangen die „SpiegelBilder“ für Klarinette (Alexandra Hentschel) und Akkordeon (Ruslan Krachkowski) und die „Balancen“ für Violine Solo (Alwyn Westbrooke). Außerdem fügte sich ein recht spröde und grau wirkendes Duo für Flöte und Schlagzeug sowie eine frühe, nahezu „wild“ komponierte Ensemblekomposition nach einem Bild von Paul Gauguin in das interessante klingende Panorama der Komponistin ein. Dieses gestaltete sich so facettenreich, dass man ohne weiteres auch zwei Abende aus dem umfangreichen Klangmaterial hätte schmieden können. Doch genau für solche Experimente und Darstellungsformen ist das „KlangNetz Dresden“ der richtige Ort; es ist außerordentlich zu begrüßen, dass die vielen im Gegenwartsbereich tätigen Dresdner Musik(er)schaffenden sich mit Unterstützung des Bundes nun ein Dach in Dresden gebaut haben, das zunächst einmal erst eine im Netzwerk vereinende, fällige und nicht von ständigen Existenzsorgen bedrohte Kunstausübung ermöglicht.

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