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Solo fünffach

Neue Konzertreihe „Pianissimo“ im Kulturpalast Dresden

Seit gut eineinhalb Jahren erklingt wieder Musik im Kulturpalast Dresden – und das nahezu täglich! Der Saal ist ein Magnet und das kulturhungrige Publikum nimmt die unterschiedlichen Formate sehr gut an. Mittlerweile kann man neben den Konzerten der Dresdner Philharmonie Pop- und Jazzgrößen ebenso wie Liedermacher hören. Multimediale Shows, Ballette und Musicals haben es in dem rund 1760 Zuhörer fassenden, dennoch familiär und intim wirkenden Saal eher schwierig und mussten auch akustisch erst erprobt werden. Weit entfernt vom Spektakulären positionieren sich Kammermusik und Solo-Rezital. Bislang waren solche Konzerte im Kulturpalast eher die Ausnahme, obwohl der Saal auch dafür geeignet ist.

Peter Rösel, Radu Lupu und Hélène Grimaud waren erste „Solo-Tester“ am Flügel, im Duo spielten die Labèque-Schwestern sowie Martha Argerich und Lilya Zilberstein. Zweifel, ob der Saal nicht zu groß für solch eine Kunst der Verinnerlichung ist, räumen die Künstler zumeist selbst aus: wer durch seine Hingabe und Aussage zum Hinhören zwingt, kann auch ein großes Publikum in Hochspannung versetzen. Unter dem in dieser Beziehung gut passenden Titel „Pianissimo“ haben die Veranstalter Alegria Musik mit ihrer Marke DresdenMusik nun eine Reihe mit fünf Klavier-Rezitals mit erstklassigen Interpreten initiiert.

Ein wahrer Großmeister sowohl am Klavier wie am Dirigentenpult macht den Auftakt: Daniel Barenboim, der schon mit der Staatskapelle Berlin bei den Palastkonzerten gastierte und dabei auch im Mozart-Klavierkonzert den Saal-Klavierklang ausspürte, spielt am 23. Oktober ein reines Beethoven-Rezital mit vier Sonaten aus ganz unterschiedlichen Schaffensphasen des Komponisten. Es folgt Igor Levit, wohl eine der spannendsten Stimmen der jüngeren Pianistengeneration überhaupt, der nicht mit eingesammelten Wettbewerbstrophäen, sondern mit authentischen, stark wirkenden Programmen auf sich aufmerksam macht. Levit spielt in Dresden am 12. November Werke von Bach, Busoni, Schumann, Wagner und Liszt– eine Hommage an das Leben und die Musik, die er unter dem Titel „Life“ auf seiner jüngsten CD veröffentlicht hat.

Am 23.2.2019 gastiert die Georgierin Khatia Buniatishvili und wird Liszt und Schubert in Originalwerken und Transkriptionen kombinieren. Der türkische Pianist Fazil Say spielt in Kooperation und als Artist in Residence der Dresdner Philharmonie ein Rezital im April, sein Schwerpunkt wird ein französisches Programm mit Werken von Chopin und Satie sein – eine Beethoven-Sonate wird dazu in kontrastierenden Dialog treten. Der Abschluss der ersten Saison von „Pianissimo“ ist einem weiteren Solitär in der Klaviermusik vorbehalten: Der russische Pianist Grigory Sokolov wird im Juni 2019 erstmalig im Kulturpalast auftreten und damit überhaupt in Dresden einen seiner seltenen, höchst gefeierten Klavierabende geben – das Programm ist bislang noch nicht veröffentlicht. Dass solche großartigen Künstler nicht ganz umsonst zu „haben“ sind, ist verständlich: die Preise im Saal bewegen sich zwischen 18 und 134 €, ein in der Summe preisgünstigeres Abo aller fünf Konzerte ist online erhältlich.

 

Alle Konzerte in der Übersicht

Di., 23. Oktober 2018, 20:00 Uhr Daniel Barenboim

Mo., 12. November 2018, 20:00 Uhr Igor Levit

Sa., 23. Februar 2019, 20:00 Uhr Khatia Buniatishvili

Do., 25. April 2019, 20:00 Uhr Fazil Say

Di., 4. Juni 2019, 20:00 Uhr Grigory Sokolov

 

Veröffentlicht in Features Rezensionen

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